Leseprobe aus dem Buch
“Von Babylon nach Globylon“
Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, dass hier vom Leben und Sterben die Rede ist – als hätten wir nicht in aller Sorgfalt geklärt, dass solche Rede nur passen kann, wenn die Sprache ein Organismus wäre: Die Analogie taugt daher nichts bis zum schlüssigen Beweis des Gegenteils (siehe „Wie sich Sprache verändert“). Daran arbeitet offenbar jedoch keiner. Schade, denn falls sie sich bestätigte, müssten wir unsere Umgangsformen überdenken, und Denkmäler und Altäre für die Sprache errichten. Bis dahin bleibt es eine gefährliche Analogie für jene, die sie im Munde führen: sie müssten dann nämlich zu Schlüssen kommen, die ihnen noch weniger in den Kram passen als die Mär von der Sprache, die „sich verändert“.
Kein schiefes Bild, sondern eine Tatsache ist der Tod von Kulturen im Regenwald. Ganze Indianerstämme sterben aus, und mit ihnen geht die Sprache, in der sie die Flora und Fauna ihres Biotops beschreiben, und dessen Gleichgewicht sie erhalten, damit sie überleben. Uns kommt das rückständig vor, aber sie wissen Einmaliges. Zum Beispiel über die Heilkraft eines Krauts, das nur dort vorkommt, und die Insekten, die in Symbiose mit ihm leben.
Eine Pharmaindustrie, die ihre Lösungen mit Milliardenaufwand erzwingt, könnte öfter der Natur am Amazonas die Lösungen abschauen. Solange die Stämme noch leben, denn mit ihrer Sprache verliert die Welt ihr Wissen. An dem Punkt ist Endstation für die Bionik, immerhin eine der Überlebenswissenschaften, falls wir die Welt weiter ausrauben wie bisher.239
„Verliert man eine Kultur“, sagte der Biologe William Sutherland, „verliert man ein einzigartiges Set aus Antworten auf die Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.“ Dazu Anne-Catherine Simon: „Trauriger noch, könnte man hinzufügen: Wenn sich alle immer ähnlicher werden, glaubt man die Antwort zu kennen und fragt gar nicht mehr.“240.
Tritt das ein, können wir die Universitäten stillegen, das wäre das Ende der Wissenschaften. Spannung folgt aus den Fragen, nicht aus den Antworten.
Oliver Baer, „Von Babylon nach Globylon“
IFB Verlag
Paderborn, ISBN 978-3-942409-12-4,
19,60 €

Die Medienverwalter, so liest man es im SPIEGEL, kommen allmählich drauf, dass talkshows sich ausgetalkt haben. Die immer selben Leute in unterschiedlichen Zusammensetzungen reden über die immer wieder gleichen Themen, zuletzt über Baumärkte??? und Gottschalk wird nun hoffentlich zur Ruhe gesetzt.
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Die Vorderläufe putzig erhoben, steht er derzeit wieder millionenfach im Regal – der Osterhase. Warum man von Angsthasen spricht, kann sich jeder denken. Warum der Hase im Pfeffer liegt, ist schon schwieriger. Und warum jemand, der seine Unschuld beteuert, von sich sagt “Mein Name ist Hase” – darauf kann man von allein nun wirklich nicht kommen. Daneben gibt es aber auch noch alte Hasen, Angsthasen, Betthasen oder falsche Hasen – ein kleines Lexikon der Hasen-Phrasen, erstellt mithilfe des Instituts für Deutsche Sprache.
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