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Deutsch in der Wissenschaft
im selbstgewählten Rückzug

Deutsch liest man in wissenschaftlichen Zeitschriften immer seltener Die deutsche Sprache wird in der Wissenschaft zunehmend von Englisch verdrängt, was für die Forschung und ihre Vermittlung ernste Konsequenzen hat. „Außerhalb der Geisteswissenschaften spielt Deutsch in den Wissenschaften keine Rolle mehr.“ (Helmut Glück, Germanist und Organisator des Kolloquiums „Wissenschaftssprachen in Geschichte und Gegenwart“). Die Tagung beleuchtet die Situation der deutschen Sprache in verschiedenen Disziplinen und hinterfragt auch die Auswirkungen auf die Praxis der Sprache.

Gestorben sei die Sprache Deutsch laut Glück bereits in den meisten Fachpublikationen der Natur- und Technikwissenschaften sowie in der Medizin. „Die Chemiker sind die letzte Naturwissenschaft, die noch eine deutsche Fachzeitschrift herausgeben. Ermöglicht wird das durch ein eigenes Terminologie-Büro, mit dem der Chemikerverband zu einer deutschen Prägung des Faches beitragen will“, so der Bamberger Germanist. Am ehesten sei Deutsch noch in der Theologie und in den Altertumswissenschaften zu finden, sowie natürlich in der Germanistik.

Die dominierende Sprache der Wissenschaft hat in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals gewechselt. Dies im 17. Jahrhundert noch unangefochten Latein war und auch noch um 1800 alle Wissenschaftler Latein beherrschten, publizierte man im frühen 19. Jahrhundert vor allem auf Englisch, Französisch und Deutsch. „Die Wurzeln dafür reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals hat etwa Albrecht Dürer deutsche Begriffe wie „Kreis“ oder „Würfel“ in die Geometrie eingeführt und damit zur notwendigen Terminologie beigetragen“, erklärt Glück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte es Deutsch zu einer der drei ersten Sprachen der Wissenschaft geschafft, was sich in deutschen Publikationen in Osteuropa und sogar in Japan zeigt. Dem bereitete der Boykott der deutschen Wissenschaft ein Ende, der nach dem ersten Weltkrieg und später infolge der Greuel des NS-Regimes eintrat. „Am deutlichsten war der Abstieg von Deutsch zugunsten Englisch in den 60er Jahren“, berichtet Glück..

Dass Deutsch auch weiterhin stets zurückgedrängt wird, bereite in erster Linie den Wissenschaftlern selbst Probleme, wenn etwa medizinische Zeitschriften Manuskripteinreichungen auf Deutsch ablehnen. „Es kommt sogar manchmal zum Streit, ob deutsche Titel als Referenzen zitiert werden dürfen. Zu beklagen sei auch der Verlust eigener Terminologien in weiten Bereichen der Naturwissenschaften und Medizin, der die Vermittlung von Wissenschaft in der Landessprache sehr erschwere. „Hätte man sich etwa beim Aufkommen des Tissue Engineerings vor einigen Jahren Gedanken gemacht und „Gewebetechnik“ als Terminus etabliert, hätten wir uns einige Probleme erspart“, so der Sprachforscher. Als Alternative zur Verpflichtung des Englischen biete sich die Vielsprachigkeit an. „Günstig wäre es, wenn Forscher mehrere Sprachen lesen können. Das braucht jedoch auch entsprechende Bildung und politischen Willen.“

http://pressetext.com/news/091014047/deutsch-in-wissenschaft-kurz-vor-aussterben/

(stark gekürzt skd)

Im skd vertreten wir folgende Meinung :Die mehrsprachige Schweiz verfügt über ein Potenzial, das sie mehr ausschöpfen sollte – allemal besser als der Kotau vor dem Angloamerikanischen – von Frühenglisch bis nationaler Verständigung unter den Sprachgruppen auf — Englisch.

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