Chinas Reaktion auf Anglizismen: Mut zur Sprachreinheit!

Peking (AFP): Chinesischen Zeitungen, Büchern und Netzstandorten ist es künftig verboten, englische Wörter und Phrasen zu verwenden; die Reinheit der chinesischen Muttersprache sei gefährdet. Das teilte der chinesische Verband der Druckverlage mit.

Am Leitbild der „Reinheit“ der deutschen Sprache festzuhalten, führt zwangsläufig zu Mißverständnissen. Linguistisch ist der Begriff untauglich.Wir sollten in Diktion und Wortwahl vermeiden, von “ reinhalten, verunreinigen, verschandeln, verderben, verunstalten etc.“ zu reden. Da drängen sich gleich Assoziationen wie „Schmutz, Müll, Schrott, Schaden und dergl.“ für alles Fremdsprachliche auf.
Eine bessere Vorlage können sich unsere Kontrahenten/Gegner gar nicht wünschen. Sie kontern mit den sattsam bekannten Parolen und Anwürfen: “ Puristen, Saubermänner, Sprachreiniger…!“ Von da in die rechte bzw. ewig-gestrige Ecke ist nur ein Schritt.
Mit welch hämischem Spott und Hohn Journalisten und Medien über jede „sprachreinigende“ Initiative herfallen, zeigt exemplarisch der Fall Ramsauer. Dabei scheut sich die Journaille nicht, eine zur Groteske gesteigerte allgemeine Fremdwort-Hatz zu unterstellen [….] So wird uns die gesamte, „nicht-urgermanische“ Lexik im Deutschen um die Ohren gehauen. Und das unbedarfte Publikum vergnügt sich köstlich mit „Nasenerker und Treiblingen“!
Fazit:: es bringt nichts, mit „Reinheit“ oder Schönheit zu argumentieren, wo es um begriffliche Klarheit geht, um differenzierende Genauigkeit im Ausdruck und um eigenschöpferische, sprachlich-gedankliche Anstrengung. Der Kampf gilt also der Verdrängung und semantischen Verneblung, speziell durch ( modische) Anglizismen, und nicht einer imaginären Verunreinigung der Sprache.
D. Föhr im Rundbriefforum VDS (kleine Anpassungen skd)

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2 Antworten

  1. kste sagt:

    Die Forderung bleibt: Deutsch ins Grundgesetzt. Nicht die „Reinheit“, sondern auch das vielfach vergessene Wortgut verringert die Kraft des Wortes. Die Hast der elektronischen Post in der schriftlichen Rede vernachlässigt Umgangsform, Stil und Begrifflichkeiten. Es wird zu wenig mit der Hand geschrieben, weil das elektronische schnelle und wiederholt kurze Zwiegespräch die schlechtere Lösung statt klarer und tiefgründig durchdachter Worte ist. So bleibt für den einen oder anderen Leser nur das Staunen ob des Wortschatzes unserer altvorderen Dichterfürsten.
    Die zuvor am Textende beschriebene Strategie zur „Reinheit“ der deutschen Sprache halte ich für sehr richtig!