Berner Autor für Nobelpreis lanciert

Der 64jährige Schriftsteller E. Y. Meyer kommt zu unverhofftem Ruhm: Das Deutschschweizer
PEN-Zentrum hat ihn als Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen.

Meyer gehöre zu den bedeutenden europäischen Autoren, sagt PEN-Präsident Dominik Riedo zur Begründung für die Nobelpreis-Kandidatur von E. Y. Meyer. Das PEN-Zentrum ist laut Riedo die einzige Institution in der Deutschschweiz, die Vorschläge für den Literatur-Nobelpreis einreichen darf. Von diesem Recht mache man auch jedes Jahr Gebrauch.
Meist erfahre aber die Öffentlichkeit nichts davon, denn die Autorenvereinigung mache die Vorschläge nicht von sich aus bekannt. Anders lief es in diesem Jahr: Das Zürcher PR-Büro Stöhlker verbreitete am Donnerstag «im Auftrag von E. Y. Meyer» die für den Schriftsteller erfreuliche Nachricht. Meyers Werke – etwa «Die Rückfahrt», «In Trubschachen» und «Das System des Doktor Maillard oder Die Welt der Maschinen» – seien für das PEN-Zentrum «Meisterwerke der modernen Literatur», schreibt das PR-Büro. Die Werke «folgen einem schriftstellerischen Ethos, das in der letzten Generation weitgehend vergessen wurde».

Schreiben mit Goldrahmen
PEN-Präsident Riedo relativierte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA die Bedeutung des Vorschlags. Schliesslich gingen beim Nobelkomitee jedes Jahr etwa 350 Vorschläge ein. Ein Autor, der nicht von mehreren Institutionen ins Rennen geschickt werde, habe da wenig Chancen und dürfte im Selektionsverfahren früh auf der Strecke bleiben. «Aber immerhin bekommt man ein Bestätigungsschreiben auf handgeschöpftem Papier mit Goldrahmen», sagte Riedo.
Den Namen E. Y. Meyer hat übrigens Riedo selber ins Spiel gebracht. «Von der Basis kamen dieses Jahr keine Vorschläge, da habe ich selber einen gemacht», berichtete er. Der PEN-Vorstand als zuständiges Gremium habe anschliessend grünes Licht gegeben.

Langer Weg
Nun liegt der Ball beim Nobelkomitee. Aus den 350 Vorschlägen wird zunächst eine Auswahl mit 15 bis 20 Namen zugestellt, dann wird die Liste bis Mai auf 5 Namen verkürzt. Mit dem Gesamtwerk dieser Auserwählten befassen sich die Komiteemitglieder durch den Sommer, ehe sie im Oktober ihren Entscheid treffen.
Wie weit es E. Y. Meyer bringen wird, steht in den Sternen, und das womöglich für längere Zeit: Im Oktober wird nur der Name des Preisträgers genannt, sämtliche weitere Informationen über den Auswahlprozess des Komitees dürfen erst nach 50 Jahren veröffentlicht werden.

Neuer Roman
E. Y. Meyer arbeitet derweil im Brünnengut der Stadt Bern an seinem jüngsten Roman, der sich mit dem Wechsel vom 20. ins 21. Jahrhundert beschäftigt. «Ein Jahrtausendthema für die Schweiz», zitiert ihn das PR-Büro Stöhlker.
Ein anderes grosses Thema wird E. Y. Meyer bereits Ende des laufenden Jahres umtreiben: Nach 27 Jahren muss er das alte Herrenhaus des Brünnenguts zu seinem grossen Bedauern verlassen. Die Stadt Bern will das denkmalgeschützte Gebäude umfassend sanieren und in eine Tagesschule umfunktionieren.

„20 Minuten”, 10. März 2011

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