Wie schreiben Fünfzehnjährige?

Übrigens … „feiern“ die Verursacher der überstürzten, auf Impuls der Deutschen Kultusministerkonferenz in die Welt gesetzten Rechtschreibereform des Jahres 1996, das Jubiläum „15 Jahre Rechtschreibreform“.

Dass es hier eigentlich nichts zu feiern gibt, drückte die Präsidentin dieser famosen Konferenz, Frau Ministerin Johanna Wanka, in der NZZ wie folgt aus: „Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibereform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden“. Da haben wir’s!

Die Reform, wie sie nichtkompetente Politiker anstiessen, war ein Debakel – ein teures und unsinniges übrigens, das man uns allen, der Schule und den Printmedien hätte ersparen müssen. Und die Spitze: Die unsinnigen Weisungen der Reformer sind auch von unseren eidgenössischen Stellen – z. B. von der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz EDK- blindlings als verbindlich übernommen worden.

Fazit: Nach 15 Jahren erweist sich diese Verstaatlichung der Rechtschreibung als eine unnötige und absurde Katastrophe. Bitte, liebe Leserinnen und Leser; entschuldigen Sie diese harte Sprache! Eine nähere Untersuchung lässt aber kein besseres Urteil zu. Hier dazu zwei Betrachtungen:

Aspekt 1: „Es tut mir Leid / Es tut mir leid“?
Die „Geschichte“ der Schreibung dieses Ausdruckes formuliert einer meiner Freunde, Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann aus Gossau, Mitglied der Arbeitsgruppe der „Schweizer Orthographischen Konferenz“ (SOK), im Heft 1 + 2 / 2011 des „Sprachkreises Deutsch“ sehr bezeichnend.
Diese Geschichte zeigt beispielhaft auf, auf welch dilettantische und willkürliche Weise der die Reform durchführende „Rat für Rechtschreibung“ – hier „Rat“ genannt – arbeitete:

  • 1996: Nachdem man herkömmlich“´Es tut mir leid“ schrieb, wurde „Es tut mir Leid“ (grosses L) obligatorisch erklärt. Obwohl diese substantivische Schreibweise arge Kritik erfuhr, hielt der Rat zunächst daran fest.
  • 2004: Die Kultusminister setzen sich nun über den Rat hinweg und schreiben: „Für den Fall ,Leid tun‘ wird neu die zusätzliche Variante ,leidtun‘ eingeführt“. Eine Entscheidung zwischen adjektivischem und substantivischem Gebrauch lasse sich nicht treffen. Heuchlerisch wird hier verschwiegen, dass „leidtun“ (Es tut mir leid), die herkömmliche Schreibung und keine Erfindung der Kultusminister war. Mit der Zulassung von „Es tut mir leid als „Variante“, verdeckten die Politiker nur die ihnen vom „Volk“ aufgezwungene und peinliche Rückkehr zur herkömmlichen Schreibweise. Die „Varianten¬“-Variante erhöhte das Chaos „Leid/leid“ in den Schulen und Printmedien erheblich. Dieses durch die heuchlerische“´Varianterei“ entstandene Chaos ist auch noch 2011 gewaltig. Es verleitet die Schüler zur Meinung, Rechtschreibung sei gar nicht wichtig, ja beliebig.
  • 2006: Überraschung: Der Rat sagt, es gelte von jetzt an nur „Es tut mir leid“ – sodass man, wie wenig bekannt, endlich bei der herkömmlichen Schreibung ankam. Amen!

Aspekt 2: Angesichts dieser, auch vieler anderer Beispiele liederlich-laienhafter; willkürlicher und unverantwortlicher Arbeitsweise des Rates und des entstandenen Rechtschreibechaos legte die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK, www.sok.ch) nun einen Gratis-„Wegweiser zu einer einheitlichen und sprachrichtigen deutschen Rechtschreibung“ vor (Sekretariat SOK, Frau Widmer, Länggassstrasse 71, 3012 Bern).
Die SOK hält darin den Grundsatz „Bei Varianten die herkömmliche“ hoch und äussert sich zu den gröbsten Fehlern, auch zu Schule, Verwaltung und Verlagswesen. Mit ihr tut dies auch die Konferenz der Chefredaktoren, der Verband der Schweizer Presse und die Schweizerische Depeschenagentur.
Dies ermutigte auch meine Wenigkeit,  SOK-Mitglied zu werden und die schlimme, absurde, politisch diktierte Verstaatlichung der Sprache zu bekämpfen.

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A. Grichting im Walliser Boten vom 6.Mai 2011/Übertragung des pdf und Titel durch skd

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