Es geht ums Lesen, um nichts sonst!

Wahrscheinlich könnte ich Sie jetzt ziemlich leicht abschrecken, sich näher mit der Buchmesse zu befassen. Dafür müsste ich Ihnen nur erzählen, was uns armen Journalisten auf der Eröffnungs-Pressekonferenz an Neuigkeiten rund um die Messe aufgetischt wurde. Zum Beispiel, dass im „Open Space“, das ist ein IAA-Hallenüberbleibsel von Audi, das jetzt als Kooperationsprojekt verkauft wird, Veranstaltungen wie die „Open Talks“ stattfinden. Weiter geht es bei „Story Drive“ um „Collective Story-Telling“ – das sind Konferenzen, auf denen „Content Professionals“ aus der Buchbranche auf Gamer und Experten für interaktives Design treffen. Was es mit „Flying Sparks“ und den „Frankfurt Hot Spots“ auf sich hat, erzähle ich Ihnen jetzt nicht mehr, sonst hören Sie mir noch auf zu lesen. Es geht um Aufbruch und neue Verwertungsketten und elektronische Bücher (E-Reader), die es aber de facto auf dem deutschen Markt fast noch nicht gibt, weil der Umsatz elektronischer Bücher immer noch irgendwo an der Ein-Prozent-Hürde herumknapst.

Hilfe, rufen Sie jetzt, was soll mir das alles? Ich will doch nur Bücher lesen, und zwar möglichst gute. Recht haben Sie! Lassen Sie sich nicht beirren von all jenen „Professionals“ auf den Bühnen, die nur noch Denglisch quasseln und wirtschaftlich vieles, inhaltlich aber gar nichts mehr zu sagen haben – und das nicht einmal merken. Bestehen Sie darauf, dass Sie sich wegen der guten Bücher für diese Buchmesse interessieren.

Es geht um Sie, die Leser, die Bücher lesen wollen, weil Sie diese Welt, in der wir alle leben, ein Stückchen besser verstehen wollen. Die neugierig sind auf Geschichten, weil diese Welt aus Geschichten besteht. Ob Sie diese Geschichten digital lesen oder auf dem Papier, ist völlig unwichtig – Hauptsache, Sie lesen sie überhaupt! Die des Buchpreisträgers Eugen Ruge zum Beispiel. Danach sehen Sie die DDR, danach sehen Sie Deutschland mit anderen Augen. Oder all jene Geschichten, die wir Ihnen mit Leseproben in dieser Zeitung nahebringen wollen. Im Mittelpunkt stehen Sie, im Mittelpunkt steht der Mensch.

Wie das geht, macht auf berauschende Weise das Buchmesse-Gastland Island vor: ein kleines, lesebegeistertes Volk, dessen Enthusiasmus, sich hier in Frankfurt, auf der größten Bücherbühne der Welt, zeigen zu dürfen, ansteckend wirkt – und das trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen die Pleite-Nation wohl noch lange zu kämpfen hat. Wer nur von Wirtschaft redet, der ist arm dran – ganz egal, wie viel Geld er hat. Diese Lektion haben die Isländer gelernt. Und deshalb reden sie von Büchern, von Kunst, Kreativität und der Freude am Entdecken. Und weil wir diese Freude teilen, begleiten wir die Buchmesse auch in diesem Jahr wieder mit täglichen Sonderseiten.

Frankfurter Neue Presse vom 12. Okt. 2011 — Dierk Wolters (geringe Anpassungen skd) http://www.fnp.de/…

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