Medienkompetenz sehr gut, deutsche Sprache mangelhaft

Studie fördert bestürzende Lücken bei Studienanfängern zutage

Deutsche Studienanfänger weisen massive Lücken in Rechtschreibung und Grammatik auf und zeigen zudem eine mangelnde Lesekompetenz. Zu diesem Schluss kommt eine bislang unveröffentlichte Studie unter den Philosophischen Fakultäten an deutschen Universitäten.

Initiator der Studie ist der Bayreuther Philologieprofessor Gerhard Wolf. Er sagte, neben massiven Problemen mit der Rechtschreibung, Grammatik und Syntax sei insgesamt „eine Schwäche beobachtet worden, zu formulieren und zusammenhängende Texte zu schreiben und vor allem auch eine mangelnde Fähigkeit bei der Lesekompetenz“. Viele Studienanfänger seien demzufolge nicht in der Lage, den roten Faden eines Textes zu erkennen oder schlüssige Mitschriften aus Vorlesungen anzufertigen.

Eine mögliche Ursache sieht Wolf darin, dass an den Schulen offenbar „die Bildungsstandards nicht beachtet“ würden. Entsprechende Schreiben mit Hinweisen seien bereits an die zuständigen Ministerien der Länder geschickt worden. Zu befürchten sei zudem, dass auch die junge Lehrergeneration bereits über derart schlechte Kenntnisse verfüge, dass sie nicht in der Lage sei, die Fehler ihrer Schüler zu erkennen und zu korrigieren. „Aber da müsste man eben bei der Ausbildung zum Lehrer eingreifen. Man müsste sich auch die Frage stellen, ob dieses Lehramtsstudium, das ja sehr heikel für eine Gesellschaft ist, von jedem studiert werden kann.“

Wolf sagte weiter, heutige Abiturienten verfügten zwar über eine größere Medienkompetenz, seien flexibler und setzten sich so auf dem Arbeitsmarkt leichter durch als frühere Generationen. „Aber unsere Beobachtung ist, dass dies eben nicht langt, um gerade ein geisteswissenschaftliches Studium aufzunehmen.“

Die Studie sei gerade wegen ihrer „bestürzenden“ Ergebnisse noch nicht veröffentlicht worden – die „Wucht der Kritik“ habe Wolf und die Mitautoren der Studie selbst überrascht. „Diese Sache ist unendlich heikel“, erklärte der Philologe. Denn übe man massive Kritik an den Schulen, habe man „sofort die Politik als Gegner – und das wollen wir nicht“. Wichtiger sei es, über die Defizite zunächst mit der Kultusministerkonferenz zu reden.

Deutschlandradio vom 23. Juli 2012

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