Das Elsass verliert zunehmend seine Muttersprache

Benedicte Keck Foto: Volker Gegg

Benedicte Keck
Foto: Volker Gegg

Offenburg (vg). Dem Elsässischen geht es nicht gut. Elsässisch gilt in Frankreich zwar als regionale Sprache, wird aber vom Staat seit Jahrzehnten nicht mehr unterstützt. Benedicte Keck, Projektleiterin im Elsässischen Sprachamt (OLCA), referierte im Auftrag des Vereins Deutsche Sprache im Offenburger Balladin-Hotel (Palmengarten) über den Stand der Zweisprachigkeit im Elsass.

Dem Elsässisch geht es derzeit wie vielen Dialekten und Sprachausführungen in Europa: Sie alle dümpeln vor sich hin. Immer weniger werden sie gesprochen oder gar geschrieben. Bendedicte Keck erklärte, dass Elsässisch wie Korsisch, Aquitanisch oder Baskisch zu den anerkannten Regionalsprachen in Frankreich zählt.

Lieber Französisch
Die Zweisprachigkeit im Elsass sei am Aussterben, nur noch 33 Prozent der Elsässer sprechen überhaupt noch diese Sprache. »Die Sprache lebt nicht mehr und wird auch nicht weiterentwickelt, für neue Wörter gibt es einfach kein elsässisches Wort, obwohl für mehr als 70 Prozent der Elsässer Elsässisch zur Identität gehört«, argumentiert Keck, und ergänzte: »Man redet halt Französisch mit elsässischem Akzent.«

Nur noch wenige Elsässer Kinder werden zweisprachig aufgezogen, in Kindergarten und Elementarschule werde das Elsässisch kaum unterstützt. »Obwohl das Elsässisch eigentlich zur Landschaft gehört und weit mehr als 1000 Jahren gesprochen wird«, sagte Keck bei ihrem Ausflug in die Sprachgeschichte weiter. Nur 17 Prozent der Elsässer sehen das Elsässisch als altmodisch an, ganz im Gegenteil: Es gelte als chic, elsässische Worte ins Französische einzuflechten.

Die 29jährige bemüht sich im Rahmen des OLCA, dass das Elsässische auch in Schriftform erhalten bleibt, eine Sprache ohne Schrift sei eh vom Aussterben bedroht. So werden zum Beispiel elsässische Gemeinden unterstützt, die ihre Straßennamen zweisprachig ausweisen wollen oder behördliche Anrufbeantworteransagen zweisprachig anlegen.

Das OLCA stellt dafür Rechtschreibregeln auf, »man muss das geschriebene Wort im Deutschen erkennen können«. Als Beispiel gab Keck das Wort Baum an. Im Unterelsass werde aus Baum Baam oder Boem, im Oberelsass Bauim oder Bäum.
Wie beim Alemannisch hat auch das Elsässich in jeder Region seine eigenen Ausformungen. »Und es heißt Elsässich, Ditsch oder Elsässer Ditsch, aber nie würde bei uns jemand sagen, er redet Alemannisch«, erklärte sie. […]

Mittelbadische Presse, 25. 3. 2013

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