Reclam-Verlag folgt den SOK-Empfehlungen

ReclamDie Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) traf sich am Donnerstag, 27. Juni 2013,  bei NZZ Folio in Zürich zu ihrer achten Tagung. Über 50 Teilnehmer aus Presse, Verlagen, Literatur, Politik und Schule diskutierten über den Stand der Rechtschreibung, welche Verbesserungen erreicht worden sind und was noch zu tun bleibt. Der deutsche Reclam-Verlag gab bekannt, dass er in  neu produzierten Büchern standardmässig den Empfehlungen der SOK folge und sich damit gegen den Duden entschieden habe.

Prof. Rudolf Wachter (Universitäten Basel und Lausanne) wies in seinem Referat auf eine Nebenwirkung der Rechtschreibreform hin, die vermehrt Getrennt-, Gross- und ä-Schreibung vorschreibt. Dies führe dazu, dass häufig Wörter auch dort getrennt oder gross geschrieben würden, wo die Reform dies nicht verlange oder wo es grammatisch falsch sei (Wut entbrannt, kein Mal, Geschänke).

Der Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann erinnerte an das Postulat von Nationalrätin Kathy Riklin vom September 2004, das eine Korrektur der Regeln forderte, damit „die bisher möglichen Bedeutungsdifferenzierungen durch Zusammen- und Getrenntschreibung erhalten bleiben“. Das Postulat wurde überwiesen, aber nicht umgesetzt, obwohl der Bundesrat versprochen hatte, sich dafür einzusetzen. Die SOK habe es dagegen in ihre Empfehlungen eingeschlossen.

In einer von der Kulturjournalistin Monika Schärer moderierten Podiumsdiskussion  wies Gisela Meyer Stüssi, Dozentin für Fachdidaktik an der Universität Freiburg und der Pädagogischen Hochschule Bern, darauf hin, dass in der Schule in Sachen Rechtschreibung eine enorme Verunsicherung herrsche. Viele hätten resigniert, und eine Orientierung sei bitter nötig. Daniel Weber, Redaktionsleiter NZZ Folio und Vorstandsmitglied der Chefredaktorenkonferenz, verwies auf die Notwendigkeit, die Empfehlungen der SOK weiterzuverbreiten, damit wieder eine Normalschreibweise etabliert werden könne. Nur so könne die verlorene Möglichkeit, mit individueller Schreibweise kreativ zu wirken, wieder zurückgewonnen werden.

Peter Müller (sda) forderte eine Rechtschreibung, die den Lesefluss nicht störe und dem Leser den Zugang zu den Texten erleichtere und nicht erschwere. Die sei in einer Zeit, da Zeitungen mit Auflagerückgängen kämpften, besonders wichtig. Christine Ruhrberg, Lektoratsleiterin beim Verlag Philipp Reclam jun., bezeichnete die Empfehlungen der SOK als das vernünftigste Rechtschreibkonzept. Wenn der Autor einverstanden sei, folge der Verlag daher ihnen und nicht den Empfehlungen des Dudens.

Die Arbeitsgruppe der SOK liess sich zum Schluss von der Tagung beauftragen, zusammen mit der Konferenz der Chefredaktoren und dem Verband Schweizer Medien die Möglichkeiten für ein SOK-Wörterbuch zu sondieren und dem Rat für deutsche Rechtschreibung die Zusammenarbeit anzubieten.

In der 2006 gegründeten SOK sind Vertreter der Presse, der Literatur und der Sprachwissenschaft vereinigt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Sprachrichtigkeit und Einheitlichkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur zu fördern. Kopräsidenten sind Nationalrat Filippo Leutenegger und Peter Zbinden (Präsident Sprachkreis Deutsch).

Donnerstag, 27. Juni 2013, Zürich (pd)

 

 

 

 

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