Japaner klagt gegen „Jenglisch“

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„Denglisch!“, schimpfen deutsche Sprachschützer über englische Begriffe in deutschen Texten. In Japan gibts das auch – Jenglisch.

Tokio Der Japaner Hoji Takahashi (71) verlangt vom japanischen Sender NHK Schadensersatz. Begründung: NHK verwende derart viele aus dem Englischen stammende Wörter, dass er ein psychisches Leiden entwickelt habe. Takahashi verlangt 1,41 Millionen Yen (11 000 Euro), berichtet die britische Zeitung „The Guardian in ihrer Online-Ausgabe.

Vor dem Distriktgericht von Nagoya sagte Takahashi, er und andere ältere Zuschauer würden von manchen Sendungen der NHK regelrecht verwirrt. Die Sprecher kämen ihrer Pflicht nicht nach, japanische Wörter zu benutzen. Als Beispiele des „Jenglischen“ – der Wörter, die englischen Ursprungs sind – führt er an: „kea“ (von „care“, Pflege), „toraburu“ (von „trouble“, Ärger), „risuku“ (von „risk“, Risiko) and „shisutemu“ (von „system“, System).

„Ich habe mit NHK darüber zu reden versucht“, sagte Takahashi laut dem „Guardian“. „Aber es gab keine Antwort, deshalb bin ich vor Gericht gezogen.“ Er wolle, dass der Sender ältere Zuschauer berücksichtige, wenn er Shows ausstrahlt. NHK hat keinen Kommentar zu der Klage abgegeben.

Wörter mit englischen Wurzeln sind in Japan gang und gäbe. Ihre Zahl wuchs seit dem Zweiten Weltkrieg und vor allem, als das Land mit der amerikanischen Popkultur in Berührung kam. Außerdem gibt es Wörter, die aus dem Portugiesischen, dem Niederländischen und anderen Sprachen stammen.

„Denglisch“ ist eine Kombination der Wörter „Deutsch“ und „Englisch“ und meint den Gebrauch englischer Wörter und Redewendungen in deutschen Texten. Ein Beispiel aus der Computersprache: „Download am Abend macht Sinn.“ „Download“ hieße auf Deutsch „Herunterladen“. Und „Sinn machen“ übersetzt „to make sense“ wörtlich; auf Deutsch jedoch „hat“ oder „ergibt“ etwas Sinn.

Egbert Manns /  Südwest Presse /  3. Juli 2013 / www.swp.de/

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