Vive le bockmist!

geschlechtgerechtDer Meister sah mir über die Schulter. “Fummeln,” so belehrte er mich, “ ist unsachgemäßes Hantieren.” Ich wollte schon widersprechen: sachungemäß! Aber da war er weiter, woanders nach dem Rechten sehen. Was ja stets geschwindelt ist. Chefs gehen herum und sehen nach dem Unrechten.

Sei’s drum. Zum Hantieren zählt etwa das Getue um eine geschlechtsneutrale Sprache, um den Gendergap, den Genderunterstrich, das Gendersternchen  sowie das – zweifellos weltbewegende – Problem, wie man Menschen sprachlich unterbringt, die sich ihrer geschlechtlichen Rolle unschlüssig sind, also weder weiblich noch männlich sein wollen. Bei allem Respekt vor den Sorgen anderer Leute: Wir haben ein Rad ab.

Falls noch jemand geglaubt hätte, diese Fummelei würde von selbst aufhören, man brauchte sie nur zu ignorieren, wird sich wundern. Er muss nur die neue Straßenverkehrsordnung lesen. Da gibt es keine Fußgänger und Radfahrer mehr, aber zu Fuß Gehende und Rad fahrende. So fußlahmt auch der übrige Gesetzestext. Da haben sich fanatische Feministinnen durchgesetzt und den Gesetzgeber zum Affen gemacht.

Dass wir einander hier nicht missverstehen! Ursprünglich ging es darum Frauen nicht länger auszugrenzen. Dass sie bei Fußgängern als Fußgängerinnen einfach mitgemeint seien, genügte nicht mehr. Und weil uns dieser Mangel offenbar mehr bekümmert als die übergeschnappte Finanzwirtschaft oder der nahende Schlussvorhang für Europa, tummeln sich in unserer Sprache nun Tausende von Landminen der politischen Korrektheit; da ist man, will sagen frau, im Nu passé (für die MenschInnen weiblichen Geschlechtes: passée).

Bis der geplagte Bürger, der auch echte Sorgen hat, aufhorcht: Lass ich mir etwa erneut eine Mogelpackung andrehen? Hab ich doch seit Jahrzehnten jeden Bockmist mitvertreten, wenn er nur der Sache der Frauen diente, und nun das? Nanu, wieso Bockmist? Weil es nicht um Gleichstellung der Frauen geht, und schon gar nicht geht es um Rücksicht auf jene, die in Berlin separate Klos benutzen, sogenannte Unisex-Toiletten, das sind die für die Unschlüssigen. Nein, es geht nur darum, dass man – in diesem Falle wohl zumeist frau – die Gelegenheit bekommt, über die Mitmenschen Macht auszuüben, im Klartext: So piesackt man, nein frau, die Männer, mit den ewig gleichen Unterbrechungen: “Das heißt nicht Bürger, sondern BürgerInnen!” (auch: Bürger_innen, Bürger*innen und das war bestimmt noch nicht das Ende der sprachlichen Erfindungskraft).

Bei einigen tausend Mitbürgern (ich weiß, ich weiß) kommt noch etwas hinzu, das Geltungsbedürfnis, gepaart mit kommerziellem Interesse: “Genderpolitik […] ernährt mittlerweile einen riesigen Apparat.” schreibt Jan Fleischhauer im SPIEGEL: Gender-Politik: Mitleid mit Martenstein. Mittlerweile leben bereits ziemlich Viele davon, “dass sie anderen erklären, warum Geschlecht nur ein soziales Konstrukt ist … An deutschen Hochschulen gibt es inzwischen über vierzig entsprechende Institute und Einrichtungen, darüber hinaus hat sich die Gender-Forschung an nahezu jedem (!) geisteswissenschaftlichen Lehrstuhl etabliert. 173 Genderprofessuren gibt es, mehr als für die Slawisten. Auch im Verwaltungsalltag ist die moderne Gendertheorie längst angekommen.” Tun Sie sich den Gefallen: Lesen Sie Fleischhauers Beitrag und hier ist auch der Verweis auf den dort zitierten Beitrag von Harald Martenstein: Schlecht, schlechter, Geschlecht.

Im Feuchtbiotop der Genderbewegten geht es weniger um das Geld (das auch), ihr Geltungsdrang giert nach unserem Kotau. Wir ernähren sie, indem wir sie beachten, und die meisten Kalorien beziehen sie aus unserem Protest, auch hier aus meinem Widerspruch. Allerdings ist ihr Beitrag zu einer besseren Gesellschaft keinen Pfifferling wert. Was sie mit den Füßen treten, ist die Weisheit, dass Symbolik ihren Gebrauchswert verliert, wenn wir sie inflationär verwenden. Dann verflacht sie zur Propaganda. Dann provoziert sie die typischen pflichtschuldig hervorgebrachten Lippenbekenntnisse, die sich so anhören: „Liebe G’nossen und Nossen’n!“

Schade drum, Symbole sind kein Schall und Rauch. Symbole bedeuten viel. Soll uns ein Symbol im Wesentlichen berühren, zum Beispiel bei der Fähigkeit Respekt zu empfinden, müssen wir es auf sparsame Auftritte beschränken. Das wäre nicht im Interesse der genderlichen Geltungsdränglerinnen: Sie wollen, nein sie brauchen die fortgesetzte Missachtung der Frau. Ja sicher, sonst hätten sie auf einmal nichts mehr zu tun. Ihre Institute könnte man schließen, sie wären überflüssig. Männer und Frauen könnten endlich tun, was zu tun ist: Zusammenleben.

Aber die Fanatikerinnen verdienen keine Rücksicht. Wir müssen uns nur besinnen: Frauen und Männer nennen wir nur dann ausdrücklich alleine oder beide, wenn der Unterschied hervorhebenswert ist, beispielsweise wo es um Frauenparkplätze in der dunklen Tiefgarage geht. So gewinnen wir einen ursprünglichen Sinn zurück. Dann gilt logisch nämlich auch der Umkehrschluss: Wo keiner hervorgehoben wird, gilt das Gesagte für alle – welches wir hier hervorheben: für ALLE. Dann sind sogar die Männer mitgemeint.

Das kann doch nicht so schwer sein.

“Wie sah die Person aus, die mit Ihrem Fahrrad davongefahren ist?” – “Das war eine Frau. Äh, oder ein weiblich gestimmter Mann. Oder ein Transgender, ja, warum nicht? Wachtmeister*in, ham Se zum Aufwärmen erst ma ne einfache Frage?”

Baerentatze vom 3. April 2013

http://oliver-baer.de/…/vive-le-bockmist

 

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