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Auch Cäsar surft im TTT

Das druckfrische «Pons Wörterbuch des neuen Lateins» des Ernst Klett Verlags ist auf der Höhe der Zeit: Rund 15’000 Stichwörter enthält es, auf die Julius Cäsar mit blanker Verwirrung reagiert hätte. Zu seiner Zeit arbeitete kein Mensch als «orbium phonographicorum exhibitor» (Diskjockey). Auch die «iazensis musica» (der Jazz) war unbekannt und kein Thema für Cicero, Ovid oder Vergil. Natürlich finden sich im Lateinwörterbuch zuhauf Begriffe aus der Computerwelt: Das «album televisificum» nennen wir Bild-schirm, «discus durus» Festplatte, und wenn der Computer («instrumentum computatorium») abstürzt, würde ein Lateiner einen «collapsus» beklagen.
Wer das Wörterbuch für einen «error temporis» (einen Anachronismus) hält, täuscht sich. Viele Programmierer mögen die lateinische Sprache. Ihr klarer, logischer Aufbau habe viel gemein mit einer Programmiersprache, sagen sie. Den Altphilologen ihrerseits ist es ein Anliegen, die Lebendigkeit des Lateins zu beweisen.
Nein, keine Sorge, die Umstellung des Computer-Bunds auf die Sprache der alten Römer steht nicht unmittelbar bevor – selbst wenn viele Technikmuffel und computeruninteressierte Zeitgenossen der Ansicht sind, Deutsch oder Latein mache bei diesem Thema keinen allzu grossen Unterschied. Das ist Unsinn; denn gross wäre der Segen der Latein-Wiedergeburt: Sie wäre ein probates Mittel, radikal mit den allgegenwärtigen Anglizismen aufzuräumen. Schluss mit den nichtssagenden Wortkreationen, die einem PR-Agenturen täglich um die Ohren hauen! Müssten diese Leute ihre Medienmitteilungen in Latein abfassen, fiele ihnen Schaumschlägerei unendlich schwerer.
Ja, die zweitausend Jahre alte Sprache würde die schnellebige Informatikbranche mit einem Hauch von Ewigkeit adeln.
Matthias Schüssler im Tages-Anzeiger

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