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Shakespeare und Popcorn

Wer die Sprache Shakespeares einigermassen beherrscht, kann sich fast in jedem Winkel der Erde verständlich machen. Ob jedoch allein die Motivation «Weltsprache» die Menschen hierzulande bewegt, erscheint fraglich. Früher hiess es: Englisch ist die Weltsprache. Heute heisst es: Englisch ist cool. Einst wie jetzt ist an der Legitimation, Englisch zu lernen, nicht zu zweifeln. Wer die Sprache Shakespeares einigermassen beherrscht, kann sich fast in jedem Winkel der Erde verständlich machen. Ob jedoch allein die Motivation «Weltsprache» die Menschen hierzulande bewegt, erscheint fraglich. Einige Anzeichen deuten auch auf anderen Antrieb hin. Sicher hat es damit zu tun, dass wir westliche Lebensart mit dem Englischen verbinden, wobei wir eher an Amerika als an England denken. Mit den USA verknüpfen wir Vorstellungen von grenzenloser Freiheit, von Hollywood und Fast Food, von Surfen und, Carven. «Wodka Gorbatschow» hingegen tut sich etwas schwerer.

Einen Verdacht werden wir allerdings nicht los: Englisch wird auch deshalb bevorzugt, weil es scheinbar einfach zu lernen ist. Bis zu einem gewissen Grad (First Certificate) mag dies zutreffen. Doch der Teufel liegt im Detail. Die Satzkonstruktionen sind oft kompliziert. Es kann vorkommen, dass wir jedes einzelne Wort verstehen und die Bedeutung des Satzes doch nicht begreifen. Aber auch einfacher Ausdruck kommt manchmal seltsam vor. Da steht im „Daily Telegraph“: «Beckham to quit Manchester». Wörtlich übersetzt, lautet dieser Titel: «Beckham, um Manchester zu verlassen“.
Dem Sinn nach heisst es: Beckham beabsichtit, Manchester zu verlassen.

Schwierig ist nicht zuletzt das mündliche. Verständnis. Dem pflichtet bei, wer im Kino einen englisch gesprochenen Film in Originalfassung anschaut. Der Blick schweift unweigerlich zu den Untertiteln. So lässt sich erklären, weshalb das zumeist junge Kinopublikum synchronisierte Fassungen vorzieht. Wenns schwierig wird, hat unser Englisch-Spleen Pause.

Eine Tüte Popcorn, bitte!

Fredi Kurth

Appenzeller Zeitung , 20. Febr. 2003

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