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„“Der Frosch““ auf Englisch

Eine knappe Mehrheit des Zürcher Kantonsrates hat sich für die Einführung von Englisch an der Primarschule entschieden . Die meisten unserer Primarschüler weden damit hoffnungslos über-fordert sein. Ab der ersten Klasse lernen die Kinder Hochdeutsch. Die PISA-Studie aber hat gezeigt, dass es mit Lese- und Schreibfähigkeiten nicht mehr weit her ist. Viele Lehrkräf-te verwenden die Schriftsprache im Unterricht nicht genügend . Auch haben wir in der Volksschule sehr viele Kinder, die wenig oder fast gar nicht Hochdeutsch sprechen. Sie benutzen zu Hause andere Sprachen.

Schon in der Unterstufe sollen die Kleinen dann auch noch Englisch lernen, spielerisch natürlich, ganz nebenbei, Englisch ist ja so leicht, und auch cool. Und natürlich soll es kein sturer altmodischer Sprachunterricht sein, sondern man will z. B. Naturkunde auf Englisch vermitteln, eben den Frosch (the frog) auf Englisch durchnehmen. Und dann, nach zwei bis drei Jahren spielerischem Unterricht, kommt dann noch Französisch dazu, auch spielerisch, weil es ja auch so leicht ist und so viel Spass macht.

Wer stoppt diesen Unsinn? Wer erklärt unseren Bildungspolitikern, dass es Dinge gibt, die man im Leben auch nach dem zehnten Lebensjahr lernen kann oder muss? Wer macht ihnen klar, dass Naturkundeunterricht in einer Fremdsprache nur für sehr begabte und leistungsfähige Kinder zu bewältigen ist? Und wo sind die Lehrkräfte, welche dieser Herausforderung gewachsen sind?
Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt nicht zustande kommt, dass kein Geld dafür vorhanden ist. Für einmal hätte die Politik gespart und damit erst noch etwas Gutes getan.
Leserbrief M.S., Winterthur, NZZ 13. Juni 2003 (Bearbeitung SKD)

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