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Was meint eine deutsche Stimme aus Paraguay?

Muss ich nun – kurz vor meinem 70. Lebensjahr – noch Englisch lernen, damit ich meine deutsche Muttersprache wieder verstehen kann???

(SKD) Der per E-Post verschickte Brief ist an den Präsidenten der IGM Graz (Interessen Gemeinschaft Muttersprache – Mitglied im Netzwerk Deutsche Sprache ) gerichtet.

Sehr geehrter Herrr Dr. Pfannhauser,

Ja, die Muttersprache ist uns Auslandsdeutschen eine Wurzel der Heimat, die leider zu verrotten beginnt, schade!
Ich selbst stamme aus der Zeit, wo das Erlernen von Sprachen der „Feindesmacht“ nicht erlaubt war! Nach 1945 war es dann verpönt, die Sprache der Siegermächte“ zu erlernen. Man wurde als Vaterlandsverräter verachtet!
In Norddeutschland aufgewachsen, lernte ich dann Holländisch und die flämischen Sprachen, schliesslich auch Afrikaans, wofür ich noch heute Simultanübersetzer bin.
Meine Frau wuchs in Südamerika auf, sodass wir auch Spanisch und Portugiesisch verstehen: ein breites Sprachen-Spektrum also, mit dem man sich eigentlich verständigen könnte, nicht wahr?
Bei unserem letzten Besuch in Deutschland stellten wir mit grossem Bedauern fest, dass die deutsche Sprache in unserer Heimat derart mit Anglizismen durchsetzt wird, dass wir unsere eigene Muttersprache nicht mehr verstanden. In den Geschäften mussten wir oft den Chef rufen, der uns dann eine „rein deutsch sprechende Verkäuferin“ vermitteln musste, weil andere Bedienung so kauderwelsch redete, dass wir nicht mehr verstanden, worum es eigentlich ging! Muss ich nun – kurz vor meinem 70. Lebensjahr – noch Englisch lernen, damit ich meine deutsche Muttersprache wieder verstehen kann???
Ja, es verändert sich jede Sprache, immer wieder kamen ausländische Begriffe und Worte hinein, aber doch nicht in solcher Flut wie in letzter Zeit!

Mit freundlichen Grüssen
Ihr
Hans-Jörg Wentrup

Mit einer Veröffentlichung erkläre ich mich einverstanden, 8. August 2003

(SKD) Ein Sprachfreund aus Graz hat uns diesen Brief gefaxt. Sein Verfasser verwendet Ausdrücke wie Heimat und Vaterland, Wir verstehen sie
nicht nach Zeitgeist und „politischer Korrektheit“. Und die „rein deutsch sprechende Verkäuferin“ ist uns kein Beispiel für Nationalismus und Sprachpurismus. Auch damit haben wir nichts zu tun. Aber weniger Anglo-Amerikanismen im Geschäfstsleben, das wäre oft mehr. Danke nach Graz.

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