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Die deutsche Sprachverwirrung – Fehlkonzept Rechtschreibreform

Die Schweizer Monatshefte haben beschlossen, die Regeln zur Rechtschreibung von 1996 aufzugeben. Die wenig durchdachten Neuerungen und sogenannten Vereinfachungen haben sich im Kern nicht bewährt und werden vor allem von Autorinnen und Autoren mit feinem Sprachgefühl abgelehnt. Deshalb drucken wir unsere seit 1920 bestehende Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur wieder in der traditionellen Schreibweise.

Die Wirkungen der neuen Regeln mögen im Alltag nicht so augenfällig sein; dort aber, wo Genauigkeit des Ausdrucks verlangt wird, in den Wörterbüchern, in den Schulbüchern, in der Fach- und schönen Literatur, sind die Folgen überwiegend negativ.

Im November des letzten Jahres haben wir mit unserem Heft „Die deutsche Sprachverwirrung, Fehlkonzept Rechtschreibreform“ ausführlich über die mißglückte Neuregelung der Rechtschreibung berichtet. Die Beiträge unserer Autoren und das vielstimmige Echo im In- und Ausland bestärken uns in unserer Haltung.

In diesen Tagen muß die Reformkommission mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung über eine Reparatur des Regelwerks verhandeln. Wir finden, daß mit der Verbesserung von Einzelheiten genug Zeit und Geld verbraucht worden ist. Jetzt sollte ein Grundsatzentscheid gefällt werden.

Die Schweizer Monatshefte sind seit über 80 Jahren mit Autorinnen und Autoren aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich verbunden, unter vielen anderen mit Thomas Bernhard, Hermann Burger, Hilde Domin, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Hermann Hesse, Reiner Kunze, Herbert Lüthy oder Adolf Muschg. Ihnen und ihrer Sorgfalt im Umgang mit Sprache fühlen wir uns verbunden und nicht Fachleuten, die „Stengel“ durch „Stängel“ ersetzen und nach acht Jahren noch nicht wissen, wie sie „es tut mir leid“, „ohne weiteres“ und „alleinerziehend“ schreiben wollen.

Wir stellen uns hinter den Aufruf der Autorinnen und Autoren vom 7. Oktober 2003, die Aufrufe der zehn Akademien und der fünfzig Rechtswissenschaftler vom Februar dieses Jahres und mit besonderem Nachdruck hinter den Vorschlag des Dichters Reiner Kunze: die Regeln von 1996 sind aufzugeben, in der Schule können sie während einer angemessenen Übergangsfrist weitergelten. Wo nötig, kann man die bewährte Rechtschreibung neu erfassen und darstellen.

Die Herausgeber: Robert Nef, Dr. Suzann Renninger
www.schweizermonatshefte.ch

(skd) Die Schweizer Monatshefte sind eines der wichtigsten Kulturjournale der Schweiz. Die Zeitschrift hofft, daß andere Schweizer Blätter ihr folgen werden. Auch die aktuelle Doppelnummer verhandelt verschiedene „Aspekte dieses gewaltigen Schiffsbruchs“. (nach einer FAZ-Notiz vom 27.April 2004)

Die Hefte können unter folgender Adresse bezogen werden:
Schweizer Monatshefte, Vogelsangstraße 52, 8006 Zürich oder info@schweizermonatshefte.ch.

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