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Sprechen Sie auch Denglisch?

Als ich noch Kind war benutzte man das Wort „in“ nur vor Ortsbezeichnungen.
Heute ist es „in“, „in“ zu sein. „In-Leute“ haben ihre Sprache mit
amerikanischen Begriffen durchsetzt, die durch phonetische Hässlichkeit
besonders auffallen. Damit schaffen sie für sich selbst eine Aura des
„successfull“. Will sagen: erfolgreich und überlegen. Überlegen meint,
„über anderen zu liegen“.
Viele Menschen fühlen sich oft unterlegen, sind es aber gar nicht. Sie
versuchen unbewusst durch perfekt korrekte Aussprache amerikanischer
Bezeichnungen sich das Gefühl zu verschaffen, „über anderen zu liegen“,
oder zu den Besseren dazu zugehören. Wenn die jeweils anderen dabei diese
Ausdrucksweise dann gar nicht verstehen, umso besser. Steigt dann doch
das Gefühl scheinbarer Überlegenheit. Hauptsache sie bewegen sich im
„Mainstream“, im Hauptstrom, und die Wirkung ist „cool“. Anscheinend
frieren sie in dieser Kühle nicht. Dabei reden sie oft viel und sagen nur
wenig. „Trendy“ zu sein, ist alles. Es drängt sie, Zungenbrecher wie
„Massachusetts“ und ähnliches mit perfekter Andacht nur ja mit stark
amerikanischer Slang-Färbung auch im Unterton vollendet auszusprechen.

Die Nutzung des Frankfurter Flughafens ist ohne Englisch-Kenntnisse oder
Wörterbuch nicht mehr möglich; in Düsseldorf geht das kaum noch ohne. Der
Flughafen „Charles de Gaulle“ in Paris ist genauso international. Aber
alle Schilder dort sind zweisprachig, französisch und englisch. Nicht
englisch und französisch, oder nur englisch. Über Ausgängen auf
spanischen Flughäfen steht nur „Salida“, nicht „Exit“. Es schert uns
nicht, wenn Amerikaner von Branswik, Kolloune, Hämbörg oder Mjunik reden,
wenn sie Braunschweig, Köln, Hamburg oder München meinen. Die Franzosen fahren über Aix-La-Chapelle nach Cologne. Nicht über
Aachen nach Köln. Die Italiener sprechen von Francoforte und Amburgo,
wenn sie Frankfurt und Hamburg meinen.

Früher machte man die Standesunterschiede an der Kleidung fest. Die Schirmmütze der Armen von damals ist als Baseballcap
zurückgekehrt. Nicht als Zeichen von Armut, sondern als folgsame
Anpassung an den Zeitgeist. Einige Jugendliche scheinen diese Caps nachts
im Bett noch auf dem Kopf zu behalten. Weil sie wohl im Kopf so schönes
Selbstwert-Gefühl verschaffen.

Schon 200 Jahre vor Christus meinte Ben Akiba, damals ein weiser Mann im
Orient: „Es ist alles schon einmal da gewesen“. Recht hatte er.
Was heute als cool gilt, war
damals „en vogue“ und „super trendy“, der „dernier cri“. Was aber, wenn die Leute Recht behalten, die meinen, China würde
irgendwann die führende Wirtschaftsmacht der Welt werden. Müssen wir uns
dann mit interessant machenden, chinesischen Floskeln in unserer Sprache
rumärgern, so wie jetzt mit amerikanischen?

Feier@bend – Oktober 2004
Eine Glosse von Wolfgang Simon (gekürzt SKD)

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