• Allgemein
  • 0

Korrektes Deutsch – in D, A und CH

Auch in Varianten des StandardsWenn jemand sein Töff parkiert oder Zwetschkenröster einrext, tönt das in
Schweizer Ohren normal oder halt österreichisch. Auch Österreicher haben
kein Problem,. Aber viele Deutsche halten solche Sätze für falsch oder für
lachhaften Dialekt. „Dabei ist es korrektes Deutsch“, betont der Linguist
Ulrich Ammon, Professor der Duisburger Universität , der ein „Variantenwörterbuch des Deutschen“ erstellt hat.

Sein Wörterbuch soll unter anderem zeigen, „dass es keinen Grund gibt, eine Sprache gegenüber der anderen abzuwerten“. Nur bei den Angelsachsen habe er eine ähnliche Intoleranz in puncto korrekter Sprache feststellen können.

Wie Englisch ist auch Deutsch eine plurizentrische Sprache, das
heißt, sie ist in mehreren Nationen oder Teilen davon – Deutschland,
Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und
Südtirol – staatliche Amtssprache. Jedes dieser Zentren kreiert eine
eigene Standardsprache, und damit ist ausdrücklich kein Dialekt gemeint.
Das Variantenwörterbuch führt also keine Spezialitäten des Bernerdütsch
oder Wiener Schmäh auf, sondern anerkannte Variationen des Standards.

Ammon und sein Team hoffen, dass ihr Werk dazu beiträgt, das Verhältnis
zur deutschen Sprache zu entkrampfen. Das ist durchaus nötig.

Die Deutschschweizer nennen die Standardsprache bezeichnenderweise
„Schriftdeutsch“ – es ist für sie etwas Kaltes, Distanziertes, das man
mit Schule und offiziellen Stellen zu tun hat, nicht aber mit Alltag,
Nähe und Spontaneität. Bei der Beherrschung des Schweizerhochdeutschen ist
aus einem trotzigen „Nicht-Wollen“ bei vielen inzwischen ein
„Nicht-Können“ geworden. Mangelnde Sprachkompetenz ist ein ernstes Thema
in der Schweizer Bildungspolitik.

Wohl auch deshalb musste Ammon dort und in Österreich nicht lang weibeln
(deutschdeutsch: werben), um finanzielle Förderung zu erhalten. Gedacht
ist das 12 000 Vokabeln umfassende Buch auch für Forscher, Übersetzer,
Autoren und Leute, die Spaß an Sprache haben. Denen verrät die
Wörtersammlung, warum beispielsweise Dürrenmatts „Romulus, der Große“ ein
Morgenessen verlangt, wo man einen Österreicher wiederfindet, der
abpascht, oder warum nur Schweizer Metzger Hühnerhaut bekommen.
Von Andrea Neitzel (Zürich), in Frankfurter Rundschau online (gekürzt skd)

Variantenwörterbuch des Deutschen, von Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner, Verlag DeGruyter, ca. 30 Euro (brosch.)

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar