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Eurospeak

Der zunehmenden Einfluss des Englischen
auf andere europäische Sprachen.
Drei simple Beispiele: Die Anglizismen „Shopping“, „Event“ und „Lifestyle“ haben sich mittlerweile quer durch die kontinentale Sprachlandschaft etabliert,
gehören zum festen Wortschatz der (zumeist jüngeren) Luxemburger,
Deutschen, Franzosen, Italiener, Ungarn, Litauer usw. usf.

Hinter dieser primären Bedeutung des Begriffs verbergen sich aber noch
andere Wirklichkeiten. So ist Eurospeak die dominante Sprache in den
Tagungsräumen und Plenarsälen der EU-Institutionen. Es ist
approximatives, schlechtes Englisch, Lichtjahre entfernt von den hohen
Standards des Oxford Dictionary, von Shakespeare oder Hemingway.

Obschon nämlich auch Französisch und Deutsch als
EU-Arbeitssprachen gelten, liegen die meisten Unterlagen immer öfter nur
noch in Englisch vor. Ganz zu schweigen vom gesprochenen Wort: In vielen
Sitzungen, in den Wandelgängen und Cafeterias der riesigen Bürokomplexe
wird nationenübergreifend in nivelliertem Englisch kommuniziert – eben in
Eurospeak.

Ihre volle Blütenpracht entfaltet die Vokabel aber erst im horizontalen
Blickwinkel, auf jede einzelne EU-Sprache bezogen. Maschinelle
Übersetzungen der Texte per Computer tragen dramatisch zur sprachlichen
Verflachung bei, das Berichts- und Gutachtenstudium wird zum fragwürdigen
„Lesespaß“.

Zu guter Letzt ist Eurospeak eine Art Geheimsprache der Europapolitiker
und ihrer Entourage. Sie operieren mit Codes, die da lauten: Prozess,
Agenda, Strategie, Initiative, Pakt, Kriterien, Leitlinien – in der
Regel gekoppelt mit Städtenamen wie Lissabon, Kopenhagen, Maastricht,
Luxemburg, Cardiff, Köln, Göteborg, Bologna, Tampere. Diese für Insider
sehr praktischen Hülsen beinhalten eine Fülle äußerst abstrakter Konzepte
zu so wichtigen Dingen wie Wettbewerbsfähigkeit, Geldstabilität,
Beschäftigung, Nachhaltigkeit, Bildung, Sicherheit. Andere typische
Eurospeak-Kreationen sind z. B. die Finanzvorausschau-Obergrenzen, die
Transeuropäischen Netze oder die eGovernment-Benchmarks. Nicht zu
vergessen das EU-interne „Who“s Who“ mit Monsieur Euro und Mister GASP,
Troika und Quartett sowie die allseits beliebten Abkürzungen wie CAGRE,
JAI und COREPER.

Pierre Lorang, Luxemburger Wort vom 2.März.2005 (gekürzt skd)

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