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Schreibfaule Schüler? Verfall der Sprache?

Was Experten meinen
Kurzmitteilungen sind negativ für die Sprache . Manche Kinder und Jugendliche kommen kaum noch ohne Handy aus. Ihre kleinen SMS- Botschaften an Freunde und Bekannte können die Sprachfähigkeit der jungen
Leute beeinträchtigen. Aber immerhin: Dank SMS schreiben die Schüler wieder mehr.

„Junge Menschen, die nur über SMS kommunizieren, bleiben in ihrer Grammatik äußerst beschränkt“, sagte Ludwig Eichinger vom Institut der Deutschen Sprache in Mannheim. Das Positive der SMS sei, dass nach der
Ära des Telefonierens überhaupt wieder mehr geschrieben werde.

Früher wurde immer die Befürchtung geäußert, dass weniger geschrieben werde. „In Wirklichkeit schreiben durch den Computer wesentlich mehr Menschen. Wer nie einen Brief schrieb, schreibt heute eine Mail oder eine SMS.“ Dass die SMS-Texte meist kurz sind, spielt
dabei keine Rolle. Dies passt einfach zu der Kommunikationssituation. Von einem Verfall der Sprache kann man deshalb nicht sprechen. Wer allerdings nur SMS verfasst, wird vermutlich auch nie einen längerenText lesen, sagte Eichinger. „Dagegen sollte die Schule etwas machen.“

Mehr als 450 Fachleute aus rund 25 Ländern diskutierten vier Tage lang über das Verstehen von Texten. Nach Darstellung des IDS-Linguisten H. Blühdorn nimmt die Fähigkeit der Schüler ab, Texte zu verstehen, während die Texte selbst immer komplizierter werden. „Da öffnet sich eine Schere, wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird, und wir haben Texte, die das spiegeln.“ Ein „Ausbildungsproblem“ kommt hinzu. Die Schüler gehen weniger mit Texten um, weil sie viele andere Medien wie das Fernsehen nutzen können.

Eichinger beklagte eine „Lücke im Grammatikwissen“ deutscher Schüler und
machte dafür das gesunkene Interesse am Lateinunterricht verantwortlich.
Der Grammatikerwerb sei im deutschen Schulsystem früher ans Lateinische
gebunden gewesen, das eine „typisch Grammatik geleitete Sprache“ sei. Mit
ihrer Hilfe hätten Schüler jene Kenntnisse erworben, die sie in der
Muttersprache und anderen Fremdsprachen angewendet hätten.
„Diese Basis
ist weggefallen“, sagte Eichinger. „Eigentlich ist wenig dafür gekommen.“

ZDF 17. März 2005 („ Heute“) (gekürzte Bearbeitung skd)

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