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Lebendige deutsche Sprache

Redewendungen (K)

Wer die schönen alten Redewendungen gebraucht, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Er spricht von den Dingen und Vorstellungen der Vergangenheit und sagt etwas über die Welt von heute. Auch die Sprüche mit dem Buchstaben K zeigen das.

Beim Kragen nehmen
Mit „Kragen“ ist hier kein Teil eines Kleidungsstückes, sondern der Hals selbst gemeint. So konnte der mittelalterliche Dichter Walther von der Vogelweide für den Mörder des Erzbischofs Engelbert von Köln als Strafe „ein eichin wît (Eichenzweig) umb sînen kragen“ fordern. Noch im heutigen Deutsch lebt „Kragen“ als Scheltwort fort: Einen knauserigen Menschen nennen wir „Geizkragen“.

Nicht in den Kram passen
Gemeint ist: Dieses oder jenes kommt mir ungelegen. Die Redensart entstammt dem Kaufmannsberuf: ein „Kramer“ oder „Krämer“, wie früher der Kaufmann hieß, lehnte es ab, eine Ware zu führen, die nicht in sein Angebot paßte.

Krethi und Plethi
„Krethi“ bedeutet eigentlich „Scharfrichter“. Seine Aufgabe war es, die vom König gefällten Todesurteile zu vollstrecken. „Plethi“ heißt soviel wie „Eilbote“. Krethi und Plethi waren also Bedienstete mit Sonderaufträgen. Im Alten Testament lesen wir im Zusammenhang mit der Ämterverteilung unter König David: „Benaja … war über die Krether und Plether gesetzt“ INSERT INTO `skd_posts` VALUES(2. Sam 8, 18 a). Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet „Krethi und Plethi“ soviel wie „allerlei Gesindel“.

Zu Kreuze kriechen
Diese Redewendung meint heutzutage soviel wie „klein beigeben“. Ursprünglich bezog sie sich auf die Sünder, die am Karfreitag auf allen vieren zum Kreuze Christi kriechen mußten.

Krokodilstränen weinen
Diese Redewendung brandmarkt die heuchlerische Trauer, das vorgetäuschte Mitgefühl. Im Mittelalter wollten Kreuzfahrer und Kaufleute beobachtet haben, daß Krokodile „wie Kinder weinen und schluchzen“ – allerdings um Opfer anzulocken.

Das geht auf keine Kuhhaut
Wer mit diesem Ausspruch seinem Herzen Luft macht, will sagen: Das ist geradezu unglaublich. Ursprünglich verband man mit der Redewendung das sogenannte Sündenregister, das zu lang war, um auf einer „Kuhhaut“ Platz zu finden. Man schrieb bereits im Altertum auf enthaarten, ungegerbten, geglätteten Tierhäuten.

Nach allen Regeln der Kunst
Hohe Anerkennung für eine sach- und fachgerechte Leistung bringt diese Redewendung zum Ausdruck. Sie geht auf die sogenannte Tabulatur, eine Art Gesetzbuch für den spätmittelalterlichen Meistersang, zurück. Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ führt recht plastisch vor Augen, worum es geht: eine regulierte Kunstübung, die aber immer wieder belebender Impulse bedarf, um künstlerisch wahrhaftig und glaubwürdig zu bleiben.

Den kürzeren ziehen
Hier geht es um eine Benachteiligung. Die Wendung stammt aus dem altdeutschen Rechtsleben, wo Entscheidungen auch durch Losverfahren gefällt wurden. Man zog zum Beispiel aus einer Anzahl von unterschiedlich langen Grashalmen einen Halm heraus: Wer den kürzeren gezogen hatte, mußte mit einem weniger günstigen Urteil rechnen.

VDS-Sprachnachrichten 3/2006 . Dieter Burkert, Gerd Schrammen

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