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Muttersprache was wird aus ihr?

Global-Englisch ist kein Ersatz

Ja, es ist (wieder einmal) „nur“ eine Schule, und „nur“ in einer Klasse werden alle Fächer in englischer Sprache unterrichtet. Doch wie aus anderen Presseberichten zum bilingualen Unterricht ersichtlich, häufen sich die „Nur“-Fälle. Was gestern noch als harmloser Schulversuch angefangen hatte (z.B. Englischunterricht bereits in der ersten Klasse), ist heute auch schon die Norm.

Die Fixierung des Unterrichtswesens auf das Hauptlernziel Englisch von der Kita bis zur Uni wird die teils schon heute alarmierenden Deutschdezifite der Schüler zwangsläufig weiter verschlechtern. Diese Dezifite können unmöglich durch ein paar Stunden Deutschunterricht pro Woche ausgeglichen werden. Ein differenziertes Deutsch lernen und einen angemessenen fachlichen Wortschatz bilden kann auf Dauer nur, wer in allen Fächern – mündlich und schriftlich – auf Deutsch unterrichtet wird. Wer die Unterrichtssprache Deutsch peu à peu zugunsten des Englischen abschaffen will, nimmt billigend eine künftige Schülergeneration in Kauf, die sich weder auf Deutsch noch auf Englisch befriedigend ausdrücken kann.
Josef Braun, Journalist

Ich kann hier Josef Braun voll zustimmen, es gibt allerdings noch einen weiteren Aspekt, der den Immersionsunterricht an Kindern als geradezu zerstörerisch für Ihren Geist erkennen läßt. Es handelt sich um den prinzipiellen Unterschied zwischen der jeweiligen Muttersprache und jeglicher Fremdsprache.

Durch die Immersions-Ideologen wird ja immer von „Sprachen“ gesprochen, und damit meint man „Muttersprache und andere Sprachen“ in einem Atemzug. Das ist ein ganz infamer Trick, weil man daraus sofort folgert, daß es ja besser wäre, alles gleich auf englisch – in der begehrten „Weltsprache“ – zu lernen, als auf deutsch .

Mit diesem Trick verblenden die Immersionisten die Politiker und die wohlmeinenden Eltern. (Es gibt noch weitere Parolen, z.B. die von der gesteigerten Allgemein-Intelligenz durch „Sprachenlernen“). Das Gegenteil ist der Fall.

Das Entscheidende bei der Muttersprache (welcher auch immer) ist nämlich,

dass das Kind seine Lebensfertigkeiten gar nicht sprachlich, sondern handlungsorientiert lernt.

dass diese kindlichen Handlungen mit der Mutter/Bezugsperson stattfinden,
und deshalb muttersprachlich begleitet werden – d.h. dass an alle möglichen Alltagswörter der Muttersprache etwas ganz Wichtiges gebunden wird, das wir die Basiskategorien des Denkens nennen.

Selbstverständlich wird in der Schule zunehmend unterweisungsorientiert gelernt, da sind aber an die Muttersprachwörter diese Basiskategorien schon gebunden, so daß das Kind aus Wörtern die richtigen Assoziationen aufbauen und damit neue Begriffe – auchKategorien – bilden kann.
Das geht mit -gleich welcher- Fremdsprache definitiv nicht.

Der Dritte Trick der Immersionisten-Ideologie ist es, die Multifaktoren-Analyse auszuklammern, d.h.die Ergebnisse wohlbehüteter zweisprachig aufwachsender Akademikerkinder, eben besser zu sein als andere, auf die „normalen“ Kinder anzuwenden. Damit manipuliert man die Träume der Eltern – welche Eltern glauben denn nicht, daß ihr Kind das Beste werden könne!
Klaus Dässler, Diplomphysiker, hielt mehrmals seinen Vortrag zu „Muttersprache – was wird aus ihr?“

In der Nordseezeitung vom 23. Febr. 2007 schrieb (sss)

Nur eine einzige Weltsprache, mit der alle Menschen sich verständigen – dies erscheint wünschenswert. Für Klaus Däßler aber gehen auf diese Weise ganze Denkwelten verloren. Denn die Mächtigen dieser Welt – Firmenchefs, Politiker, Führungskräfte aus dem Finanzgewerbe – sind Verursacher der Entwicklung: „Die Globalisierung der Waren geht einher mit einer Globalisierung der Sprache.“

Der Referent sprach auf Einladung des VDS anlässlich des internationalen Tags der Mutttersprache. Dabei ist der Dresdner hauptberuflich eigentlich in der Physik und der Informatik tätig. Seine aktuelle Arbeit an einem digitalen Übersetzungssystem hat ihn zur Auseinandersetzung mit Sprache geführt. Vor allem mit der Muttersprache, um die er sich sorgt, da ein „abgerüstetes Global-Englisch“ auf dem Vormarsch ist. Mit der Muttersprache, ganz gleich ob Deutsch oder einer der weltweit schätzungsweise 1600 Muttersprachen – erwirbt jeder Mensch seine grundlegenden Denkstrukturen. Dies alles geschieht dadurch, dass ein Kind durch gemeinsame Handlungen mit seiner Mutter die Welt erfährt. Diese Handlungen begleitet die Mutter durch Sprache – die Muttersprache, die Wörter mit den grundlegenden Denkstrukturen verknüpft und erst den Zugang zu ihnen ermöglicht.

Durch Beschäftigung mit den Dingen erlernt ein Kind die Basiskategorien des Denkens, . Sagt eine Mutter zum Kind: „Komm, wir bringen die Teller hinaus – Du die kleinen, ich die großen“, lernt das Kind durch diese von Sprache begleitete Handlung zugleich die Mengenlehre als eine von vielen Basiskategorien kennen. Das Kind bildet so immer mehr Vernetzungen, sagte Däßler. „Hier lässt sich ahnen: Auf diese Weise entsteht die beste Wissenschaftssprache.“ Eine Fremdsprache dagegen erlernt ein Mensch nicht durch eine Vielzahl von Handlungen und damit Verknüpfungen, sondern durch Unterweisung. Däßler plädierte dafür, den Verfechtern einer einzigen Globalsprache die damit verbundenen Verluste vor Augen zu führen.

Quelle für alle Beiträge: Info-VDS, März 2007, gekürzte Bearbeitung skd.

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