• Allgemein
  • 0

Vor-Ort-Gesülze

Beachten Sie bitte den Hinweis SKD am Schluss des Artikels von I.D.

Das Kürzel „wtz“ steht für die Bergmannssprache: „vor Ort“, wirklich aber für Andreas Wetzlar, Mitarbeiter der Redaktion des „General-Anzeiger“ – Zweigstelle Ahrweiler. Offensichtlich hat dieser Journalist an der einzigen Bergbau-Universität der Welt in Freiberg / Sachsen studiert. Wie anders ist es zu erklären; daß er fast wöchentlich von „vor Ort“ berichtet oder interpretiert – und das seit vielen Monaten.

Als der Südafrika-Korrespondent einer bedeutenden Wochenzeitung nach 12 Jahren nach Deutschland zurückkam, ist ihm das „Vor-Ort-Gesülze“ sofort auf die Nerven gegangen. Mir geht es seit einigen Jahren auf die Nerven. Sicher kann die Redaktionsleitung darauf hinwirken, daß er endlich mit diesem sprachlichen Blödsinn aufhört, zumal die Redaktion auch die besondere Verantwortung unseres höchsten Kulturgutes – die deutsche Sprache – schultern sollte.
Der Bergmannausdruck „vor Ort“ kommt aus der Sprache der Bergleute. Der Begriff ist inzwischen jedoch eine leider „ganz übliche Redewendung“ geworden, und zwar mit einer geradezu inflationären Häufigkeit. Google bietet für das Suchwort „vor Ort“ ca. 10,3 Millionen Treffer an. Es ist offensichtlich, daß fast alle Verwendungsbeispiele weder das „Ende einer Strecke, eines Stollens oder einer Ortschaft“ betreffen. Die vielen Pseudo-Orte haben überhaupt keine Ähnlichkeit mit der Situation in einem Stollen.
Die Aufnahme des Schwammbegriffes „vor Ort“ im Duden ist kein Beleg für gutes Deutsch. Der Duden, der sich stets als „Die Instanz für die deutsche Sprache“ bezeichnet, erfüllt nur den Auftrag, die Sprache zu dokumentieren und Wörter zu zählen. Sprachaufklärung und Sprachpflege interessieren ihn nicht. Er nimmt nachweisbar auch Widersprüchliches und sogar Unsinn in seine Nachschlagewerke auf, eine bestimmte Häufigkeit in der Umgangssprache vorausgesetzt. Eine – auch sprachliche – Üblichkeit ersetzt nicht die Richtigkeit. Der Begriff „vor Ort“ trägt durch seinen tausendfachen und täglich tausendmaligen Mißbrauch aber durchaus zur Verhunzung der Sprache bei. Journalisten sollten an Ort und Stelle berichten, nicht weit weg: vor Ort!

I.D. aus B.(dem Info-Versand des Vereins „Mutterspraqche Wien“ entnommen)
2. Juli 2007

Hinweis SKD, als weitere Leistung im 60.Jahr seines Bestehens (statt Jubelfeier).
Sie erfahren hier und jetzt (statt „vor Ort“ und „live“), dass der Sprachkreis-Deutsch im Internet gleich dreimal verstärkt auftritt. Bitte auf Startseite anklicken die Punkte 1) 2) oder 3)
1) Der bewährte Anglizisenindex VDS wurde neu den SKD-Verhältnissen angepasst
2) Der SKD besitzt neu ein Forum zu den Themen Anglizismen, Rechtschreibung und Sprachpflege, und zwar unter http://www.sprachkreis-deutsch.ch/forum/
3)Unter www.sok.ch erfahren Sie umfassende Information zur Rechtschreibung, die der SKD gelebt – sprachrichtig und einheitlich sieht.

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar