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Okay? Okaaaiii!

Sage noch jemand, die Kommunikation werde immer komplexer. Das Gegenteil ist der Fall. Sie wird immer einfacher, zumindest im Nahbereich menschlicher Begegnungen. Oder ist Ihnen der inflationäre Gebrauch des Wörtchens «okay, mit dem man ständig bestätigt beziehungsweise unterbrochen wird, noch nicht aufgefallen? Es ist ein lang gezogenes, in der Tonalität leicht steigendes «okaaaiii», das man nun bei wirklich jeder passenden und vor allem unpassenden Gelegenheit zu hören bekommt.

Bei der telefonischen Buchung für ein Hotelzimmer (“Ich checke so gegen Mittag ein”) quittiert die Räceptionistin: »Okaaaiii». An der Party beim Smalltalk über die Buchmesse («Ich lese jetzt gerade den neuen Philipp Roth») erwidert der Kollege: «Okaaaiii». In der Umkleidekabine beim BH-Probieren («Ich brauche ein Körbchen kleiner») entgegnet die Verkäuferin: «Okaaaiii». Nach der Klage über den Zahnarztbesuch («Die Wurzelbehandlung war der Horror!»), tröstet der Freund: «Okaaaiii».

Während früher dieses Okay auf Fragen des persönlichen Einverständnisses zur Anwendung kam (im Sinne von: «Ich bin einverstanden damit. Es ist in Ordnung so»), findet es heute als universelle Reaktion auf jedwelche sprachliche Interaktion Verwendung. Man hat kaum den Mund geöffnet, schon ist es da, ganz gönnerhaft, als würde das Gegenüber gleichsam zum voraus erahnen, was man überhaupt sagen will, und im gleichen Moment seine Zustimmung geben möchte. Es kommt ja auch so locker über die Lippen, dieses «Okaaaiii», es suggeriert Toleranz und fällt im Redefluss des alltäglichen Aneinandervorbeiredens nicht weiter auf. Es sei denn, jemand hakt mal genauer nach.

«Ich mache jetzt eine Psychotherapie», erzählte die Sekretärin. «Okaaaiii», sagte ihre Kollegin. «Wie okay?» – «Ist einfach okay so.» – «Heisst es, du findest es gut, dass ich eine Psychotherapie mache?» «Woher soll ich das denn wissen?» – «Aber du hast doch okay gesagt.» – «Das sagt man einfach so.» – «Na ja, man sagt es eigentlich, wenn man einverstanden ist.» «Ich bin ja einverstanden.» – «Aber gut findest du es nicht.» -«Vielleicht ist es gut, vielleicht auch nicht, Herrgott noch mal. Es ist einfach okay. Okay?» -«Okay.»

Schweizer Familie , 2.Nov. 2006, Nr. 44

SABINE WINDLIN ist freie Journalistin. In dieser Kolumne macht sie sich Gedanken zum Alltag. swindlin@bluewin.ch

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