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Ein Konsens in der Rechtschreibfrage ist in Sicht

Im Fachblatt „Schweizer Journalist“ (12/2007) stellt der Beauftragte für Rechtschreibung und Direktor Marketing & Informatik der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) vor.

Sie lesen hier die ungekürzte Fassung.

Die sogenannte neue Rechtschreibung erschwert das Lesen. In einer Zeit, in der das Lesen in der Defensive ist, ist das Gegenteil gefordert: dem Leser den Zugang zu den Texten zu erleichtern – sagt Peter Müller, Beauftragter für Rechtschreibung der SDA

Ein Konsens in der Rechtschreibfrage ist in Sicht

TEXT PETER MÜLLER
Die verunglückte Rechtschreibreform hat zahlreiche Probleme hinterlassen. Zwei sind für unsere Branche besonders gravierend: die Erschwerung des Lesens und die Vervielfachung der Varianten.

Angetreten ist die Reform mit dem Anspruch, das Schreiben zu vereinfachen und so die Fehler von Anfängern zu reduzieren. Ein seltsames Konzept, denn Leser gibt es tausendfach mehr als Schreiber; jeder Schreiber ist selbst vorwiegend Leser. Dieser sollte deshalb im Zentrum der Bemühungen um die Rechtschreibung stehen.

Seltsam auch der Ansatz, die Rechtschreibung auf die Fähigkeiten von Anfängern zu nivellieren. Es ist, als entfernte man beim Klavier die schwarzen Tasten oder ein, zwei Saiten bei der Violine, um dem Anfänger das Spielen zu erleichtern.

Zur Diskussion steht hier nicht, ob die Reform wenigstens das Ziel der Fehlervermeidung erreicht hat; es gibt klare Indizien, dass es nicht der Fall ist. Ganz sicher aber hat sie die Einheitlichkeit der Rechtschreibung nicht – wie ihr Auftrag lautete – bewahrt, sondern auf lange Sicht zerstört.

Erschwerung des Lesens

Zur Diskussion steht, dass dieses Konzept durch die Einebnung von Bedeutungsunterschieden das Lesen erschwert. Das ist ein fataler Ansatz in einer Zeit, in der das Lesen und die Zeitungen in der Defensive sind. Gefordert ist vielmehr, dem Leser den Zugang zu den Texten möglichst zu erleichtern. Das kann auf verschiedene Weise geschehen: durch einfach gebaute, kurze Sätze, durch Vermeiden unnötiger Fremd-wörter, aber auch durch eine Rechtschreibung, die Bedeutungsunter-schiede durch Unterscheidungs-schreibung kennzeichnet.

Genau dies hat im September 2004 Nationalrätin Kathy Riklin in einem auch von der späteren Bundesrätin Doris Leuthard unterschriebenen Postulat gefordert, das den mangelnden Konsens in der Rechtschreibung beklagt: „Erreicht werden soll dieser Konsens namentlich durch eine Änderung des neuen Regelwerkes, wodurch die bisher möglichen Bedeutungsdifferenzierungen durch Zusammen- und Getrenntschreibung erhalten bleiben.“ Der Bundesrat antwortete im November 2004, er teile das Anliegen der Postulantin, und versprach, sich für eine entsprechende Änderung des Regelwerkes einzusetzen.

Der neue Rat für deutsche Rechtschreibung sollte in der Folge den von der Zwischenstaatlichen Kommission angerich-teten Schaden begrenzen. Die Konferenz der Erziehungsdirektoren EDK entsandte allerdings ungerührt wieder die bisherigen Mitglieder der aufgelösten, gescheiterten Kommission, alles Hardliner der Reform, in den neuen Rat. Es kam, wie es kommen musste: Parallel zu den neuen formalistischen wurden auch die Schreibweisen der bisherigen semantischen (bedeutungsdifferenzierenden) Rechtschreibung wieder erlaubt, aber ohne die Bedeutung zu differenzieren! Das Resultat, die Regelung 06, ist ein heilloses Durcheinander: wohl bekannt kann nun auch wieder wohlbekannt geschrieben werden, soll aber das gleiche bedeuten. Das Anliegen der Postulantin Riklin und des Bundesrates ist damit natürlich keineswegs erfüllt. Der anfänglich der Reform sehr gewogene Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, LCH, stellte in seiner Stellungnahme fest: „Gehen diese Änderungen durch, sollte die Rechtschreibreform fairerweise als gescheitert bezeichnet werden.”

Vervielfachung der Varianten

Resultat ist ausserdem eine Vervielfachung der Varianten. Varianten sind in der grafischen Industrie seit je unbeliebt. Sie sind kostentreibend, weil sie zu Unsicherheit und vermehrter Korrekturarbeit führen und weil Hausorthographien erstellt werden müssen, um im einzelnen Betrieb die erwünschte Einheitlichkeit zu sichern. Schon früh in der Geschichte der Vereinheitlichung der Rechtschreibung drängten die Buchdrucker auf Festlegung auch der schwierigen Bereiche Gross- und Kleinschreibung sowie Getrennt- und Zusammenschreibung. In diesen Bereichen wurden auf der Orthographischen Konferenz von 1901 die Schreibweisen noch nicht festgelegt. Konrad Duden tat ihnen den Gefallen und brachte 1903 den Buchdrucker-Duden heraus, der 1915 mit Dudens Orthographischem Wörterbuch zum Duden vereinigt wurde.

Die politisch Verantwortlichen wissen, dass die Reform einen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Aber sie haben sich vom Thema verabschiedet, es gibt hier keine Lorbeeren mehr zu holen. Johanna Wanka, die ehemalige Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK), bekannte in einem Interview mit dem Spiegel im Januar 2006 freimütig: „Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“

Die Schweizer Orthographische Konferenz

In dieser verfahrenen Situation formierte sich 2006 die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK), mit dem Ziel, in der Deutschschweizer Presse wieder eine sprachrichtige und einheitliche Rechtschreibung zu etablieren. Eine aus Sprachwissenschaftlern und Praktikern zusammengestellte Arbeitsgruppe der SOK erarbeitete Empfehlungen und stellte sie auf bisher vier Tagungen den Interessierten aus Presse, Literatur und Politik vor.

Zunächst war die Variantenflut einzudämmen. Dies geschieht ganz einfach durch die Anwendung des Grundsatzes „Bei Varianten die herkömmliche“ (siehe Kasten). Die herkömmliche Variante ist sowohl aus Duden wie Wahrig leicht zu eruieren, da die von der Reform vorgenommenen Änderungen farbig gedruckt sind.

Als Varianten bezeichnet die SOK jedoch anders als die Regelung 06 nur unterschiedliche Schreib-weisen, die das gleiche bedeuten. Wenn mit der unterschiedlichen Schreibweise ein Bedeutungsunterschied ausgedrückt werden kann, sind das keine oder unechte Varianten. Die SOK empfiehlt, in diesen Fällen den Bedeutungsunterschied kenntlich zu machen.

In einigen Fällen hat die Regelung 06 nicht nur unechte Varianten zu echten erklärt, sondern eine unterscheidende Schreibweise eliminiert. Bekanntestes Beispiel ist wohl greulich/gräulich, das nur noch mit ä geschrieben werden soll.

Zur Veranschaulichung: Stefan Andres erzählt in seinem autobiographischen Roman „Der Knabe im Brunnen“, wie der kleine Steff auf einem Erkundungsgang durch einen Bach watet und einer Ziege begegnet. Heute muss man schreiben: „Hier stand ein Tier (…). Ich musste entweder an ihm vorübergehen oder wieder in das gräuliche Gewässer zurücksteigen. (…) Nachdem ich all diesen gräulichen Schmutz im Bach gesehen hatte, erschien mir das Weiss der Tierhaare so hell wie das Hemd des Christkindes.“ Andres meinte und schrieb greulich; die Regelung 06 verwehrt dem Autor zu schreiben, was er meint.

Ein anderer Fall, wo die Möglichkeit zur Unterscheidung eliminiert wurde, ist das e nach ie (§ 19 der Regelung 06): „Folgen auf -ee oder -ie die Flexionsendungen oder Ableitungssuffixe -e, -en, -es, -ell, so lässt man ein e weg.“ Das hätte zur Folge, dass man im Gedicht von Rainer Maria Rilke aus den Duineser Elegien den Konjunktiv nicht mehr erkennbar machen könnte: „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?“

Die SOK empfiehlt in diesen Fällen, bei der Unterscheidungsschreibung zu bleiben.

Bei ihrer Arbeit zur Eindämmung der Varianten und Wiederherstellung der Unterscheidungsschreibung hat die SOK Empfehlungen zu weiteren Unzulänglichkeiten der Regelung 06 erarbeitet. Dabei handelt es sich um willkürliche Änderungen, offensichtliche Fehler, Komplizierungen und die Missachtung des Schweizer Usus.

Willkürlich herausgepickte ä-Schreibungen und Einzelfallregelungen

Die von e auf ä geänderten Schreibweisen (Gämse) sind willkürlich herausgepickt. Mit der gleichen Begründung der „Stammschreibung“ hätte man auch belägt (wegen Belag), dänken (wegen Gedanken), ädel (wegen Adel), Spängler (wegen Spange) und Dutzende, wenn nicht Hunderte weiterer Wörter verändern können.

Ähnlich bei den Einzelfallregelungen wie Ass, Tipp und Mopp; verdoppelt man hier den auslautenden Konsonanten, so müsste man dies auch bei Flopp, Tripp, Hitt, fitt und anderen machen.

Die SOK empfiehlt deshalb, diese geänderten Schreibweisen nicht zu beachten.

Falsche Herleitungen und Tageszeiten

Der Blick titelte am 16. August 2004 in einem Artikel über die Rechtschreibung: „Streicht das Belämmerte!“ In einigen Fällen hat die Regelung 06 als angebliche Erleichterung für Primarschüler nämlich falsche Herleitungen nicht nur als Variante erlaubt – was man zur Not noch hinnehmen könnte –, sondern zur einzigen Schreibweise erhoben: belämmert (statt: belemmert), platzieren (statt: plazieren), nummerieren (statt: numerieren), Plattitüde (statt: Platitüde), Tollpatsch (statt: Tolpatsch), Zierrat (statt: Zierat) usw. Das ist nicht akzeptabel, und die SOK empfiehlt deshalb wie der Blick, diese falschen Herleitungen nicht zu verwenden.

Bei den Angaben von Tageszeiten wie heute abend kann selbst nach den Kriterien der Regelung 06 kein Substantiv stehen. Steht der Artikel vor der Fügung, musste bisher entscheiden werden, ob die Angabe einmalig oder wiederkehrend ist. Das hält auch die SOK für zu fein gesponnen. Sie empfiehlt die überzeugende, einfache Lösung von Walter Heuer, dem früheren Chefkorrektor der NZZ: Die Bezeichnungen der Tageszeiten werden in Verbindung mit heute, gestern, morgen oder wenn sie neben dem Namen eines Wochentags ohne Artikel stehen, klein geschrieben: heute abend, gestern vormittag, morgen mittag, vorgestern nacht, übermorgen mitternacht; Dienstag morgen, Freitag mittag, Sonntag nacht. Steht der Artikel vor dem Tagesnamen, so wird die Verbindung zusammengeschrieben: ein Sonntagabend, der Dienstagmorgen, der Montagnachmittag, in der Freitagnacht. Geht der Fügung eine mit dem Artikel verschmolzene Präposition (am, zum) oder bis voraus, so sind je nach Betonung beide Schreibweisen richtig: am Mittwochmorgen/Mittwoch morgen, bis Freitagabend/Freitag abend.

Komplizierungen bei der Gross-/Kleinschreibung von pronominal und adverbial gebrauchten Ausdrücken, bei lateinischen Fügungen sowie beim Bindestrich mit Ziffern

In einigen Fällen hat die Regelung 06 – ganz im Gegensatz zum Anspruch der Vereinfachung – zu unnötigen Komplizierungen geführt, zum Beispiel bei der Gross-/Kleinschreibung von pronominal und adverbial gebrauchten Ausdrücken. Im 19. Jahrhundert wurden solche Ausdrücke ziemlich konsequent gross geschrieben. Demgegenüber hat die moderne Rechtschreibung des 20. Jahrhunderts den kleinen Buchstaben gewählt. Die Regelung 06 bleibt in einigen Fällen beim kleinen Buchstaben (ein bisschen, vor allem), schreibt in anderen den grossen vor (der Erstere, im Übrigen) und erlaubt in weiteren Fällen beide Möglichkeiten (der eine/Eine, der andere/Andere, bei Weitem/bei weitem, aufs Beste/aufs beste). Die SOK hält diesen (Teil-)Schritt zurück ins 19. Jahrhundert für sinnlos und empfiehlt die Kleinschreibung.

Mit dem grossen Buchstaben wird eine andere Bedeutung bezeichnet: im Geringsten treu sein, aufs Schlimmste gefasst sein, sich des Weiteren erinnern. Im Allgemeinen wird der Geist mir schwindeldumpf,/ Und vorm Besondern gar ist jeder Sinn mir stumpf (Rückert).

Die Grossschreibung der Substantive ist eine Errungenschaft des Deutschen. Sie ist eine Lesehilfe, weil sie auf einen Blick zeigt, worum es in einem Text geht. Diese Lesehilfe wird ad absurdum geführt, wenn Unwichtiges gross geschrieben werden muss.

Ein anderer Bereich, wo durch die Regelung 06 eine unnötige Komplizierung erfolgte, sind die lateinischen Wendungen vom Typ Modus vivendi. Diese Regelung verlangt, jedes Substantiv mit dem Grossbuchstaben zu bezeichnen: Angina Pectoris, aber: Circulus vitiosus. Dass vom Schreiber hier eine Wortartanalyse erwartet wird, während ihm bei der Silbentrennung keine Kenntnis der Wortbestandteile (Chir-urg, Päd-iater), nicht einmal bei deutschen Wörtern (her-auf), zugetraut wird, ist absurd. Die SOK empfiehlt, sich an die einfache herkömmliche Regelung zu halten: das erste Wort wird gross geschrieben (ausser Präpositionen), die weiteren klein.

Schliesslich ergäbe sich auch beim Bindestrich mit Ziffern eine Komplizierung. Die herkömmliche Regelung ist bestechend einfach, es ist unnötig, Ziffer und Buchstabe mit einem Bindestrich zu trennen: 19jährig, 32stel, 2fach, 90er, 90mal. Die Regelung 06 sieht einen schwer lernbaren Mischmasch vor: 19-jährig, 32stel, 2fach / 2-fach, 90er, 90-mal. Besonders störend ist bei der Substantivierung solcher Verbindungen die Grossschreibung von Wortbestandteilen, die gar keine Substantive sein können, wie Suffixen in das 8-Fache oder wie in der 10-Jährige. Die SOK empfiehlt deshalb auch hier, die herkömmliche Regelung zu verwenden.

Schweizer Usus bei der Fremdwortschreibung

Die Regelung 06 nimmt bei der Schreibweise von Fremdwörtern ungenügend auf unseren Schweizer Usus Rücksicht. Als Grundsatz und wo anwendbar gilt der SOK: bei fremder Aussprache fremde Schreibweise (siehe Kasten).

Bei der ph/f-Schreibung empfiehlt sie die einfache Regel, Foto, Fotograf, Grafik, Telefon und Telegraf und deren Ableitungen mit f zu schreiben, alle andern Wörter mit den Stämmen phot-, phon- und graph- jedoch nicht.

Die SOK anerkennt Varianten und verzichtet in wenigen Fällen auf Empfehlungen

In wenigen Fällen sieht auch die SOK Varianten vor. Zunächst in zwei Fällen, wo die Regelung 06 die Variante eliminiert hat, nämlich bei festen Redewendungen und Verbindungen mit -mal.

In festen Redewendungen vom Typ im dunkeln tappen ist eine klare Entscheidung für Gross- oder Kleinschreibung in der Tat nicht immer möglich. Die SOK empfiehlt daher, die Schreibweise dem Schreiber zu überlassen und damit auch hier die Regelung 06, die Grossschreibung verlangt, nicht anzuwenden.

Bei den Verbindungen mit -mal hat die Regelung 06 das Allerweltswort jedesmal möglicherweise irrtümlich aufgehoben und lässt nur die Wendung jedes Mal gelten. Von vielen anderen alten Wendungen anerkennt sie nur ein paarmal, ein andermal.

Die SOK empfiehlt, bei Verbindungen mit -mal wie in der herkömmlichen Rechtschreibung die Betonung über die Schreibweise entscheiden zu lassen: Du hast mir nicht ein Mal geschrieben! bedeutet etwas anderes als Du hast mir nicht einmal geschrieben!

In weiteren Fällen verzichtet die SOK auf eine Empfehlung: bei der t/z-Schreibung (potentiell/potenziell), bei einzelnen Fremdwörtern (circa/zirka, Disc/Disk) sowie bei Alptraum/Albtraum. Für Alb- spricht die Etymologie, es geht wie Elfe, Alraun, Alberich auf althochdeutsches alb, die Bezeichnung des Nachtmahrs, zurück (Walter Heuer, Deutsch unter der Lupe). Für Alp- spricht die Aussprache (Auslautverhärtung). Angesichts der von den Regeln 06 verbindlich eingeführten volksetymologischen Schreibweisen wie Quäntchen erstaunt es immerhin, dass hier neu eine etymologische Schreibweise eingeführt wird.

Der Ball liegt beim Verband

Die Arbeitsgruppe der SOK hat zu den fehlerhaften Bereichen der Regelung 06 zahlreiche Sätze aus Literatur und Zeitungen geprüft. Ihr geht es nicht um einen Kampf zwischen alter und neuer Rechtschreibung: ohnehin ist die angeblich neue Rechtschreibung in vielen Fällen die alte des 19. Jahrhunderts. Es geht um eine sachliche Auswahl der guten Schreibweisen; Kriterien sind Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit. Diese Auswahl hat die SOK getroffen; sie kann auf ihrer Website www.sok.ch konsultiert werden.

Eine wachsende Zahl von Zeitungen und die Nachrichtenagentur SDA sind bereit, die Empfehlungen der SOK zu übernehmen. Die NZZ (in Deutschland die FAZ) schreibt schon bisher weitgehend, wie von der SOK nun empfohlen. Ein Konsens in der leidigen Rechtschreibfrage zeichnet sich damit ab. Erwartet wird noch eine Stellungnahme des Verbandes Schweizer Presse. Das Thema ist traktandiert. Auch die Politik wird es aufgreifen.

*Peter Müller ist Direktor Marketing & Informatik der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA). Er ist Leiter der Arbeitsgruppe deutsche Rechtschreibung der SDA und Mitglied der Arbeitsgruppe SOK

In gekürzter Form ist der Text erschienen im „Schweizer Journalisten“ 12/2007
[Kästchen]

Die SOK empfiehlt:
„Bei Varianten die herkömmliche”
(d.h. wenn nach den Regeln 06 zulässig)
aufwendig (nicht: aufwändig)
aufs äusserste gespannt sein (nicht: Äusserste)
recht haben (nicht: Recht)
hochachten (nicht: hoch_achten)
wie war’s? wie hältst du’s (nicht: wars, dus)
selbständig (nicht: selbstständig) (eigentlich keine Variante)

Auch bei Kommasetzung und Silbentrennung:
er empfahl, dem Lehrer nicht zu widersprechen
Chir-urg (nicht: Chi-rurg)
her-auf (nicht: he-rauf)

Die SOK empfiehlt, Bedeutungsdifferenzierungen zu beachten:
wohl durchdacht / wohldurchdacht
viel versprechend / vielversprechend
Handvoll / Hand voll
dichtmachen / dicht machen
deutsch-schweizerisch / deutschschweizerisch

Auch wo die Regeln 06 eine Schreibweise eliminiert haben:
greulich / gräulich
wenn ich schriee / wenn ich schrie

Die SOK empfiehlt, die willkürlich herausgepickten Wechsel von e auf ä und Änderungen in Einzelfällen nicht zu beachten:
Stengel (nicht: Stängel)
Gemse (nicht: Gämse)
Greuel (nicht: Gräuel)
behende (nicht: behände)
schneuzen (nicht: schnäuzen)
einbleuen (nicht: einbläuen) (einschärfen)
As (nicht: Ass)
rauh (nicht: rau)
Zäheit (nicht: Zähheit) (wie Hoheit)
Tip (nicht: Tipp)
tiptop (nicht: tipptopp)
Stop (nicht: Stopp) (schon bisher so)

Die SOK empfiehlt, falsche Herleitungen und die falsche Grossschreibung bei Tageszeiten nicht zu beachten:
belemmert (nicht: belämmert)
Zierat (nicht: Zierrat)
Quentchen (nicht: Quäntchen)
plazieren (nicht: platzieren)
greulich (nicht: gräulich) (grauenhaft)
Tolpatsch (nicht: Tollpatsch)
Platitüde (nicht: Plattitüde)
numerieren (nicht: nummerieren)
heute abend (nicht: heute Abend)
Dienstag morgen (nicht: Dienstag Morgen)

Die SOK empfiehlt, die von der Regelung verursachten Komplizierungen nicht zu beachten:
19jährig, 32stel, 2fach, 90er, 90mal; nicht:
19-jährig, 32stel, 2fach / 2-fach, 90er, 90-mal
ein bisschen, der erstere, der eine, der andere; nicht:
ein bisschen, der Erstere, der eine / Eine, der andere / Andere
im übrigen, vor allem, bei weitem, aufs beste; nicht:
im Übrigen, vor allem, bei weitem / Weitem, aufs beste / Beste
Circulus vitiosus, Ultima ratio; nicht:
Circulus vitiosus, Ultima Ratio

Die SOK empfiehlt, bei Fremdwörtern den Schweizer Usus zu beachten:
Caramel (nicht: Karamell)
Caritas (nicht: Karitas)
Communiqué (nicht: Kommuniqué)
Couvert (nicht: Kuvert)
Crème (nicht: Creme, Krem)
Début (nicht: Debüt)
Menu (nicht: Menü)
Tea-Room (nicht: Tearoom)

Die SOK empfiehlt, in einigen Fällen die Variantenschreibung gelten zu lassen:

feste Redewendungen:
auf dem laufenden / Laufenden sein
im dunkeln / Dunkeln tappen
im trüben / Trüben fischen
zum besten / Besten geben
beim alten / Alten bleiben
sich im klaren / Klaren sein
seine Schäfchen ins trockene / Trockene bringen

Verbindungen mit -mal (je nach Betonung):
einmal / ein Mal
jedesmal / jedes Mal
mit einemmal / mit einem Mal
das erstemal / das erste Mal

Die SOK verzichtet auf eine Empfehlung bei:
circa/zirka
Disc/Disk
potentiell/potenziell
Albtraum/Alptraum

[Quote:]

<<< Zu viele Varianten treiben die Kosten hoch und werden deshalb von den Buchdruckern seit je abgelehnt >>>

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