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Eigene Sprache achten – andere lernen

Die Welt wächst immer mehr zusammen, die Deutschen sind das
reisefreudigste Volk geworden. Die Kenntnis anderer Sprachen gehört heute zu
den Bildungsvoraussetzungen in allen beruflichen Bereichen. Im
Schulunterricht muss deshalb die Kenntnis anderer Sprachen gefördert werden.
Die deutsche Sprache war am Anfang des 20. Jahrhunderts weiter verbreitet als
heute.

Erfreulich aber ist, dass das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache vor
allem in Europa wieder ansteigt. Umso befremdlicher ist es, dass in
Deutschland die Pflege der eigenen Sprache mehr als nur vernachlässigt wird.
Gewiss, die englische Sprache ist heute die Verständigungsbrücke weltweit. In
den dunklen zwölf Jahren von 1933 – 1945 ist auch die Chance einer weiteren
Verbreitung der deutschen Sprache verspielt worden. Und Deutsch als weltweite
Wissenschaftssprache ist nur noch Erinnerung. Das alles ist unumkehrbar, eine
moderne Bildungspolitik muss sich darauf einstellen. Denn es geht um
Lebenschancen für unsere jungen Menschen, es geht um die Wettbewerbsfähigkeit
der Deutschen am weltweiten Arbeitsmarkt.

Aber heißt das nun, dass wir im täglichen Sprachgebrauch, aber auch im
Schriftverkehr zunehmend englische Begriffe verwenden müssen? Was soll man
davon halten, wenn man zu einem „get together“ eingeladen wird, das um 18 Uhr
beginnt und das „open end“ hat. Eine Veranstaltung, bei der das „Outfit“
freigestellt wird, die in einer freundlichen „location“ stattfindet, bei der
es „drinks“ gibt und „fingerfood“ und wo am „meetingpoint“ „buttons“ verteilt
werden.

Man sollte sich in der eigenen Sprache ausdrücken können und man sollte
versuchen, andere Sprachen optimal zu erlernen. Wie überall, ist auch hier
Engstirnigkeit fehl am Platze. So wie wir uns freuen, dass wir das Wort
Kindergarten in der englischen Sprache wiederfinden, so können die Engländer
mit Recht stolz darauf sein, dass sie das Wort „fair“ zu einem weltweit
gültigen Begriff gemacht haben.

Deutschtümelei ist auch hier nicht gefragt, aber der Respekt vor der eigenen
Muttersprache schon.

Der 21. Februar als Tag der Muttersprache sollte zu einem Tag der Besinnung
werden. Der Besinnung auf die Schönheit der eigenen Sprache, auf die Vielfalt
der Sprachen anderer Völker, beides als Ausdruck kultureller Identität und
darauf, dass die Kenntnis anderer Sprachen Ausdruck eigener Qualifizierung
ist, dass sie die Chance eröffnet, andere Völker, andere Kulturen besser zu

Mitteldeutsche Zeitung vom 13. Jan. 2008
Gastbeitrag von Hans-Dietrich Genscher

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