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Das sogen. Sogenannte
und diejenigen, die es so genannt haben

Die Späher und Lauscher sind überall in der angelsächsischen Welt unterwegs. Wo immer dort ein neuer Begriff, ein neues Wort auftaucht, sind sie zur Stelle und schnappen sie auf. Möglichst umgehend berichten sie über aktuelle Moden und Trends, über vermeintlich oder tatsächlich Neues aus Angelsachsien. Sicht-und hörbar gemacht wird dies durch die dazu gehörenden Namen und Begriffe. Da anfänglich noch unbekannt oder nicht geläufig, werden diese zunächst mit Anführungszeichen ins Blickfeld gerückt: „mobbing“, „bashing“. „cocooning“ – Dutzende, Hunderte von Übernahmen aus dem Englischen halten auf diesem Weg Einzug und werden zu sogenannten „Fachbegriffen“ stilisiert.. Was sie dazu legitimiert, bleibt unklar. Von wem, für wen und warum sie so genannt werden, wird nicht begründet, ist wohl auch ziemlich beliebig.
Die Medien sind das Versuchsfeld, auf dem die Akzeptanz dieser sogen. Sogenannten dann gestestet wird. Die Tester riskieren dabei nichts; die Anführungszeichen signalisieren klar: Distanz, man zitiert ja nur, beruft sich auf Referenzen, „Autoritäten“, muss selbst nichts erklären oder verantworten, kann sich wohlfeil als Experte verkaufen.
Der Versuch, solche Ausdrücke sinngemäß zu übersetzen, wird gar nicht erst unternommen, Nachplappern genügt. Obwohl die meisten im Englischen allgemeinsprachlichen, z.T. sogar umgangssprachlichen Ursprungs sind. Erst durch wiederholten, spezifischen Gebrauch erfolgt ihre semantische Aufladung zu einem (pseudo-)wissenschaftlichen Terminus. So setzt sich ein eigentlich banales „Mobbing am Arbeitsplatz“ gegen die „Schikane am Arbeitsplatz“ durch. Vom potenziell ebenso geeigneten „Triezen“ ganz zu schweigen!
Am Ende des Übernahmeprozesses bleibt das nicht mehr apostrophierte, sondern einverleibte Sogenannte übrig, und diejenigen, die es so genannt haben, verschwinden im Dunkel der Anonymität.

D.F. 2/08 Forum VDS

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