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Gutes Deutsch

Aussetzer, Glanzlichter und Prallkissen

„Globalisierungsbesoffene Unternehmen“ nennt Wolfgang Schneider Firmen, die auf dem deutschen Markt Kunden mit englischen Reklamesprüchen umwerben. Mit
seinem neuen Buch zieht das Urgestein der deutschen Sprachkritik dieses Mal
in den Kampf gegen Blackout, Highlight und Airbag, derweil sein Mitstreiter
Bastian Sick grotesk falsche Wortbildungen aufs Korn nimmt.

Sick ist wie der Journalist Wolf Schneider zu einer Instanz geworden. Der
kämpft in seinem gerade erschienenen Buch „Speak German. Warum Deutsch
manchmal besser ist“ wortgewaltig gegen irrsinnige Anglizismen. Manager
können aus Schneiders Buch lernen, dass englische Ausdrücke
geschäftsschädigend sein können. Nicht umsonst sind viele Werbesprüche wie
„Powered by Emotion“ von Sat 1 wieder vom Markt verschwunden.

„Globalisierungsbesoffene Unternehmen“ nennt Schneider die Firmen, die auf
einem deutschen Markt Kunden mit englischen Reklamesprüchen umwerben. Es
deute auf ein geringes Selbstbewusstsein hin, dass deutsche Manager anders
als ihre französischen oder italienischen Kollegen generell das Englische dem
Deutschen vorzögen. Schwer wiege der Gebrauch des Englischen auch in der
deutschen Wissenschaftssprache, die in vielen Fächern nicht mehr
weiterentwickelt werde. Dabei ist Wolf Schneider nicht generell gegen
Anglizismen in der deutschen Sprache, die immer schon viele Wörter aus
Fremdsprachen übernommen oder modifiziert hat. Was einverleibt werde, müsse
jedoch treffender oder eleganter sein.

Viele Wortbeispiele sind alte Bekannte, die Schneider auch schon in früheren
Publikationen verfluchte. Administration und Personal Computer gehören dazu,
ebenso wie der City-Call der Telekom. Bei manchen Anglizismen kapituliert
selbst Schneider: „Das Mountain-Bike lässt sich nicht mehr retten“. Doch für
Blackout und Airbag könne man durchaus genaue Alternative finden, nämlich
Aussetzer und Prallkissen. Ob das funktioniert? Wolf Schneiders Aktion
„Lebendiges Deutsch“ bemüht sich seit zwei Jahren, deutsche Entsprechungen
für englische Ausdrücke zu finden. Früher habe das auch geklappt, als die
Deutschen Airlift in Luftbrücke oder Brainwashing in Gehirnwäsche übertrugen.

Manches klingt bemüht und kaum mehr durchsetzbar. Andere Vorschläge könnten
gut übernommen werden. Gerade machte „Lebendiges Deutsch“ den Vorschlag,
statt „Global Player“ einfach „Weltkonzern“ zu sagen. Und statt „Highlight“
das deutsche Wort „Glanzlicht“. Warum eigentlich nicht? Hinter Schneiders
Buch steht der Wunsch, der Verzicht auf die Anglizismen könne mehr und mehr
zur Bewegung werden.

Kerstin Schneider im Handelsblatt vom 1.Febr.2008 (gekürzt skd)

SKD-Empfehlung: der Anglizismenindex als Buch oder auf der SKD-Startseite zum Anklicken.

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