Besser Umhängetasche statt „Leichensack“

„Denglisch“: Der Autor Wolfgang Hildebrandt übt harsche Kritik an
Sprachentwicklung.

Die alte Dame stand ratlos vor der Auslage einer Bäckerei in Bremerhaven. „Cranberry-Schnitten“, stand auf einem Schild. Was denn in diesen Schnitten drin sei, fragte sie die Bäckereiverkäuferin. „Da sagte die Verkäuferin, da ist etwas mit Pflaume drin“, erzählte Wolfgang Hildebrandt.

Die Verkäuferin habe selber nicht gewusst, dass die Schnitten mit
Preiselbeeren gefüllt gewesen seien. Das sogenannte Denglisch grenzt gerade
ältere Menschen aus, hat der pensionierte Englischlehrer festgestellt. Am
Donnerstag war der streitbare Autor, der auch Mitglied in mehreren
Sprachvereinen ist, in der Blumenthaler Bücherstube zu Gast. Für ihn ist die
Sprachentwicklung ein Politikum. „Ein Volk kann es nicht zulassen, seine
Kultur abzugeben“, meint der Autor. Rund 300 bis 500 neue englische Wörter
flössen jedes Jahr in die deutsche Sprache ein. Deshalb erscheint jährlich
ein Index des Vereins Deutsche Sprache [der SKD arbeitet daran mit]. Die Sprachvereine kämpfen nicht prinzipiell gegen Fremdwörter“, erklärte Hildebrandt. Wenn ein Wort eine Lücke schließe, dann sei es eine sinnvolle Ergänzung. Doch zu oft werde ein Wort einfach durch ein neues verdrängt. „Mit Mode hat das nichts mehr zu tun“, erklärte Hildebrandt.

Wöchentlich erscheinen seine Glossen über den „Sprachirrsinn“ in der
„Zevener-Zeitung“. Er unterschreibt sie mit „Ihr Anglizismenmuffel“. „Ich
greife die Dinge aus dem Leben“, erzählte Hildebrandt. „Den Irrsinn könnte
ich mir gar nicht ausdenken.“ So las er in einer Ankündigung der VHS Langen,
dass ein Kurs mit dem Titel „Let“s talk Deutsch“ angeboten wurde. „Brain-up“,
damit warb das Kulturministerium für Eliteuniversitäten. „Dabei bedeutet
to brain, jemandem etwas auf die Rübe geben“, übersetzte Hildebrandt. „Das
ist unfassbar. Das tut weh“, meinte er. „Wussten Sie eigentlich, dass bei
Tchibo Leichensäcke verkauft werden?“, fragte er sein amüsiertes Publikum.
Statt Umhängetaschen werden dort „body-bags“ verkauft. „So werden die
Leichensäcke für amerikanische Soldaten genannt.“

Doch nicht nur Wörter werden ersetzt, auch die Grammatik verändere sich. Oft
höre er Sätze wie „es macht Sinn“ und „Daran erinnere ich nicht“, die der
englischen Grammatik entlehnt seien. Korrekt müsse es heißen, „das ist
sinnvoll“ und „daran erinnere ich mich nicht“. Das seien übrigens die echten
Anglizismen, die Eigenschaften einer fremden Sprache, die wir übernommen
hätten. „So geht unsere Sprache verloren“, befürchtet Hildebrandt. Oft muss
sich der Autor gegen den Vorwurf wehren, ein Nationalist zu sein. „Dabei
würde ich mich selber als anglophil bezeichnen“, meinte Hildebrandt. Er liebe
die englische Sprache und Kultur und habe auch Freunde in Großbritannien und den USA.

Katharina Rosenbaum, Achimer Kurier vom 20.Nov.2008

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