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Jetzt mal deutschlich gesagt
Sprach-Los

Wir tun uns schon arg schwer mit unserer Sprache. Nicht nur, dass wir sie schon in der Schule kaum mehr richtig sprechen, geschweige denn – seit der unsäglichen Rechtschreibreform – schriftlich zu beherrschen lernen; nicht nur, dass der öffentliche Sprachgebrauch in den Medien mehr und mehr verschlampt; nicht nur, dass wir – oftmals aus bloßer Wichtigtuerei – unsere Sprache zunehmend um zumeist unnötige Anglizismen »bereichern« – nein, wir scheinen uns, im Gegensatz zu anderen Nationen, sogar unserer Sprache zu schämen und vergessen zu haben, dass Sprache eines der wenigen unbestreitbar identifikationsstiftenden Merkmale eines Volkes ist.

Wären wir uns dessen mehr bewusst, dann hätten wir schon lange darauf gedrungen, dass die Sprache des bevölkerungsreichsten (und, nebenbei, auch am meisten zahlenden) Mitglieds nicht nur als EU-Arbeitssprache gilt, sondern öfter auch als Amtssprache benutzt wird.

Wären wir ein klein wenig stolzer auf unsere Sprache als die des (zumindest einstigen) »Volkes der Dichter und Denker«, dann wäre dem deutschen Botschafter in Italien wohl kaum in den Sinn gekommen, bei der diesjährigen Biennale in Venedig im deutschen Pavillon, auch wenn der von einem britischen Künstler bespielt wird, seine offizielle Rede nur auf Englisch zu verlesen.

Völlig unbegreiflich aber ist, wenn sogar für eine Ikone deutscher Demokratiegeschichte die eigene Sprache nicht mehr gut genug scheint.

Das Hambacher Schloss, wo sich im Mai 1832 Tausende zum »Hambacher Fest« trafen und zum ersten Mal unter den Farben Schwarz-Rot-Gold ein Bekenntnis zu deutscher Einheit und Freiheit ablegten, ist mit ziemlichem Aufwand umgestaltet und vor einem halben Jahr als symbolträchtiges Kulturzentrum wieder eröffnet worden. Geschichte zum Anfassen wird geboten, angereichert mit einem vielfältigen Kulturprogramm, wie einer kleinen, ansprechend gestalteten Broschüre zu entnehmen ist. Ihr Titel: »Hinauf, hinauf zum Schloss! Hambach Culture 2009«.

Noch Fragen?

Neues Deutschland 25.Juni 2009 Alexander U. Martens

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