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Ross und Reiter

Eigentlich erstaunlich, wie altertümlich viele unserer Sprachbilder sind.

Wer schwadroniert, bewegt in großsprecherischen Reden Truppenteile – Schwadrone – gleich einem General über ein imaginiertes Schlachtfeld.

Scharfmacher im Hintergrund heißt man gerne Büchsenspanner.

Wer Hintermänner kennenlernen will, fragt nach Ross und Reiter. Er könnte auch nach Auto und Fahrer fragen, aber das klingt nach nichts.

Der Zornige gerät in Harnisch.

Komplizen heißen Spießgesellen.

Wahrscheinlich hat Schiller das alles erfunden. Ist auch egal: Die freie Wahl der Sprache (und der Sprüche) ist ja wohl ein Menschenrecht.

Die Aktion „Lebendiges Deutsch“ hat kürzlich eine Liste mit Eindeutschungsvorschlägen für ungeliebte Anglizismen herumgeschickt:

Prallkissen statt Airbag, Klapprechner statt Laptop, Zahlkanal statt Pay-TV und so fort. Manche Ideen zeugen von Humor , wie der Geh-Kaffee (für Coffee to go).

Doch ach! So wie wir nicht von Ross und Reiter lassen wollen, sind eben auch Counter und Computer Teile unserer Sprache. Der Furor der Experten entlockt uns daher kaum mehr als ein entspanntes So what?

Rolf Pfeiffer, Der Westen, 9. Juli 2009 (mit kleinen Anpassungen skd)

(skd) Ganz anderer Ansicht ist da der Herausgeber des Anglizismenindex (die Ausgabe 2008 ist bis auf weiteres gratis erhältlich beim Sprachkreis Deutsch, CH- 3000 Bern, Porto in Briefmarken: Inland CHF 3.—, Ausland 5€). G.H. Junker schreibt auch als bewährter Streiter für gutes Deutsch, ohne Deutschtümelei und Sprachpurismus, an die Zeitung „Der Westen“:

Rechner und Schalter

Ross und Reiter. 
Warum sollen wir uns denn an „Counter“ und „Computer“ gewöhnen, wenn wir doch den „Rechner“ und den „Schalter“ haben ? Denn wo ist da der Unterschied? „to compute“ heißt im Englischen nichts anderes als „rechnen“, eine Bedeutungserweiterung muss im Deutschen genauso erlaubt sein wie im Englischen – Außerdem ist das programmierbare Gerät schon in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts als „Rechner“ in Deutschland erfunden worden, nämlich von Konrad Zuse. Und „counter“ statt „Schalter“ zu benutzen ist ein krasses Beispiel einer durch nichts zu rechtfertigenden „Flucht aus der eigenen Sprache“. 
Warum also dieser (sprachliche) Defätismus? Wenn schon unsere Soldaten Deutschland am Hindukusch verteidigen (Struck), warum dann nicht im eigenen Land unsere Sprache verteidigen?

G.H. Junker

 


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