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Wort, Lied und grosser Himmel

„U was faat dert aa, wo der Himel ufhört…?“ Fritz Widmer 5.2.1937 – 28.4.2010. Der Berner Liedermacher, Schriftsteller, Lehrer und Fährimann hat unserer Mundart neue Bedeutung gegeben. So schrieb „Der kleine Bund“ in der Ausgabe vom 29. April 2010. Fred Zaugg zitiert in seinem Nachruf aus Widmers letztem Buch „Wo geit das hi, wo me vergisst“ die erweiterte berndeutsche Fassung des Spruchs aus dem 15. Jahrhundert:

„I chume, i weis nid wohör,

i läbe, i weis nid wi lang,

i fahre, i weis nid wohi,

„s verwunderet mi, dass i so frölech bi.“

Franz Hohler

Abschiedswort für Fritz

Lieber Fritz,

„We de meinsch, es göi gäng wyter so, de bisch lätz drann, eine wartet scho“, heisst es in der Ballade „S wird langsam spät“, die du vom Schweden Carl Michael Bellman übersetzt hast.

Fast zwei Jahre lang hast du, nachdem du deine Diagnose bekommen hast, diesen einen, den du wohl kanntest, zum Warten gezwungen. Du konntest mit deiner Familie und deinen Freunden noch deinen 70. Geburtstag feiern, du holtest dir den Schmerzen zum Trotz Zeit für viele gute Gespräche. Du hast noch deine letzte CD «Wohär und wohi?» besungen mit den Übersetzungen der Mozart Arien, die für dich Neuland waren. Für die Champagner Arie aus «Don Giovanni» reichte dein Atem nicht mehr aus. Wir können sie jetzt lesen im letzten Buch mit deinen Mundarttexten, „Wo geit das hi, wo me vergisst?“. Bei meinem Besuch vor einer Woche las ich dir am Ende «Die Vergänglichkeit» von Hebel vor, der uns beiden so weit voraus war. Ob du jetzt bei ihm bist?

Markus Traber

„Besser, viu, viu besser“

«Hütt bini zwo Schtung ga langlöifle.» Mit diesen Worten betritt Fritz im Januar 2009 die Garderobe der La Cappella, wo wir, die Berner Troubadours, unsere neuen Lieder unter dem Titel «’s het, so lang ’s het» aufführen. Fritz, von uns auch Gide genannt, hatte schon eine grosse Operation hinter sich, gab auf der Bühne «Gas» wie kaum zuvor – und mein Staunen wurde immer grösser. «Hütt bini fasch zwo Schtung ga wandere», sagte er an einem anderen Theaterabend. Bei der Operation hatte man ihm eine Eisenplatte ins Bein eingesetzt… Seit 45 Jahren ist der Ablauf unserer Vorstellungen immer gleich. Einer nach dem andern, linker Fuss auf dem Stuhl – und los gehts. Wir sitzen nebeneinander auf der Seitenbühne der La Cappella, Jacob Stickelberger steht schon auf der Bühne. Zwangsläufig «chüschele» ich: «Wi geits dr, Fritz?» – «Schlächt, aber i wotts nid wahr ha.» Das passte zu Gide: «langlöifle», wandern, dem Schicksal ein Schnippchen schlagen, drauflosgehen, loslegen, wie er es in seinen Liedern tat. «Grediuse», ehrlich. Fritz schrieb mir einmal u. a.: «Im Moment sind meine liebsten Reisen die zum Veloschöpfli und die zum Heizungsraum. Dort endlich Ordnung machen.» Und jetzt, Gide, hat deine Reise erst begonnen. «Langlöifle, wandere, uf de Schlööf über d Flüss . . .» Und auf die Frage auf Seite 154 deines Eremiten-Buches «U was faat dert aa, wo der Himel ufhört . . .?» wirst du vielleicht die Antwort finden. Irgendwann, irgendwie, irgendwo. So wie du oft in deinen Liedern auf der Suche warst. Und hoffentlich kannst du auf die «Wi geits dr, Fritz»-Frage dann antworten: «Besser, viu, viu besser.»

Markus Traber, («Mit-Berner-Troubadour» von Fritz Widmer seit der Spielzeit 1965/66)

Die Worte von Franz Hohler und Markus Traber haben wir ebenfalls der Nachrufseite des kleinen Bunds entnommen (skd).

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