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Wer seine Muttersprache mit Englisch mischt, empfindet sich als modern

Wer wird nicht über das Denglische lächeln? Wenn in der Bestatterbranche ein neues Berufsbild eingeführt wird, das des „Funeral Masters“, wenn Särge in „Peace Box“ umbenannt werden, dann amüsiert sich das ganze Land – und vor allem, wenn ein Ministerpräsident, der eben noch das Englische zur künftigen Verkehrssprache der Deutschen ausrief, bei Youtube mit kuriosem Radebrechen in dem ihm ungewohnten fremden Idiom für höhere Unterhaltung sorgt. Ebenso häufig sind dann aber die Entwarnungen, die da lauten, Sprachwandel habe immer schon stattgefunden, und ein patriotischer Purismus sei das vergleichsweise größere Übel. (skd meint: Schade nur, dass solches auch in der Schweiz verbreitet wird).

Übersehen wird dabei, dass es beim Denglischen nicht um eine aktive, aufgeschlossene Aneignung des Fremden geht, sondern um eine wachsende sprachliche Monokultur auch unter den Intellektuellen. Dass ein Franzose, wenn er sich hierzulande beim Vortrag an einer Universität verständlich machen will, ins Englische wechseln muss, ist für das Schwinden der europäischen Gelehrtenrepublik eines der schmerzlichsten Zeichen. Nicht die wirkliche Auseinandersetzung mit der anderen Sprache findet hier statt; man hat es vielmehr mit der Ideologie einer Klasse zu tun, deren Weltläufigkeit sich an den Flughafendurchsagen geschult hat.

Lorenz Jäger, F.A.Z. 10. Juni 2010
, gekürzt skd

(skd) An dieser Stelle erwähnen wir dankbar den Rundbrief VDS für viele Hinweise und Beiträge. Wer ihn abonniert hat, möge Doppelspurigkeiten entschuldigen.

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