Viel Fun im Alpenraum

Es hat zwar mittlerweile etwas Altväterisches, vielleicht sogar schon Hinterwäldlerisches, wenn man sich noch darüber aufhält, wie stark die englische Sprache die deutsche Alltagssprache durchdringt. Und wir haben uns ja weitgehend daran gewöhnt, in der Wirtschaftswelt, in der Werbung, in der Jugendkultur. Aber manchmal stolpert man dann doch noch – zum Beispiel beim Lesen eines Prospektes der Titlisbahn („Willkommen auf dem Titlis – 360° Snow and Fun“). Und wir reden hier nicht von der englischen Ausgabe des Faltblatts (die es auch gibt), sondern von der deutschen, die zu gefühlten 70 Prozent aus englischen Ausdrücken besteht. Da wird uns etwa neben dem „Ice-Flyer“ (einem Sessellift über den Gletscher) als weiteres „Highlight“ der Gletscherpark empfohlen, wo wir folgende flippigen Rutschgeräte ausprobieren können: „Balancer, Snow-Tube, Snow-Scoots und Snake-Gliss – Fun pur!“

Nun, „Snow and Fun“ nennt sich mitlerweile schon fast jede zweite Skischule im  deutschsprachigen Alpenraum, und manchmal hat die sprachliche Aufrüstung ja auch eine leicht komische Seite, so, wenn ein Plakat uns eine Sommerrodelbahn als „Fun & Action auf Fräkmüntegg“ anpreist. Die sprachlichen Skurrilitäten aber sind letztlich wohl nur der Ausdruck dafür, dass sich die alpine Freizeitgestaltung wandelt. Dass der Alpenraum zum Fun-Park mutiert. Wer die Stille sucht in den Bergen, weitab der Hektik in Städten und Agglomerationen, wer es geniesst, irgendwo im Gras zu liegen bei einer Geräuschkulisse aus Kuhglockenbimmeln und sporadischem Fliegensummen, der zuckt ja jeweils auch etwas zusammen, wenn die Spassgesellschaft, Red-Bull-gedopt, auf dem Devil-Bike downhill brettert.

Der Bund (Bern), 31. Aug. 2011,  „A  propos“

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