Soziale Unwörter

goldfischDie [bundesdeutsche] Nationale Armutskonferenz (nak) fragte, welche Begriffe in den Medien, in der Politik und in der breiten Öffentlichkeit benutzt werden, mit denen Menschen in ihrer Lebenssituation falsch beschrieben, schlimmstenfalls sogar diskriminiert werden. Am häufigsten nannten die Befragten „sozial Schwache“, die nak erklärte: „Mit diesem Begriff werden gemeinhin Menschen bezeichnet, die über (zu) wenig materielle Mittel verfügen und die deshalb weitgehend von der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe ausgeschlossen sind. Das hat aber gar nichts damit zu tun, ob ein Mensch sozial veranlagt ist oder nicht. Arme Menschen verfügen genauso wie alle anderen über die Fähigkeit, mit anderen Beziehungen einzugehen, sich um diese zu kümmern und sich in diese einzufühlen – kurzum sozial zu sein.“ Die nak veröffentlichte eine „Liste der sozialen Unwörter“ mit 23 irreführenden und abwertenden Begriffen, z.B.:

alleinerziehend (=sagt nichts über mangelnde soziale Einbettung oder gar Erziehungsqualität aus. Beides wird jedoch häufig mit ‚alleinerziehend‘ assoziiert)

arbeitslos/langzeitarbeitslos (=es sollte erwerbslos heißen, weil es viele Arbeitsformen gibt, die kein Einkommen sichern)“ , […]  

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ behauptet, die nak wolle die deutsche Sprache verarmen und übe Zensur. Der Mitteldeutsche Rundfunk fragte nach dem „negativen Favoriten“ aus einer Liste von abwertenden Wörtern; die Mehrheit (67 Prozent) stimmte für „Sozialschmarotzer“.

nationalearmutskonferenz.de , www.faz.netwww.mdr.de 

Quelle: VDS – Infobrief Nr. 143

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