Deutsche Sprache in der slowakischen Republik

Kampf ums Überleben

cumil - man at work for volkswagenSeit dem Mittelalter spielten Deutsche im Wirtschaftsleben der Slowakei eine führende Rolle. Die historische deutsche Minderheit ist zwar inzwischen vom Aussterben bedroht, aber deutschsprachige Investoren sorgen für eine Renaissance der Sprache im Land.

Bratislava (dpa) – «Mit unserer Minderheit geht es zu Ende. Wer spricht denn noch meine eigentliche Muttersprache, den Dialekt der Mantaken? Niemand mehr!» klagt der Maler Helmut Bistika. Diesen niederdeutschen Dialekt gibt es in der Slowakei seit dem 13. Jahrhundert. «Wenn die Generation meiner Eltern stirbt, dann stirbt mit ihnen auch diese Sprache aus», fürchtet Bistika.

Ondrej Pöss, der Gründer und Leiter des Museums der Kultur der Karpatendeutschen in Bratislava, sieht aber auch Grund für Optimismus. «Es kommen auch wieder viele Junge zu den Veranstaltungen des Karpatendeutschen Vereins», sagt er.

Mit der offiziellen slowakischen Minderheitenpolitik kann Pöss, der seit zwei Jahrzehnten als bekanntestes Sprachrohr der slowakischen Deutschen gilt, nicht zufrieden sein. Die Regierung beteuere zwar guten Willen, «aber sie spricht immer nur von der Erhaltung eines «Status quo».»

Das ist für kleine, zerstreut lebende Minderheiten wie die deutsche zu wenig, klagt Pöss. In diesem Jahr mussten die Karpatendeutschen zudem eine Kürzung von rund 40 Prozent an Kulturförderungen hinnehmen. Das ist bitter für die Minderheit, zumal sich in der Volkszählung von 2011 nur noch rund 5000 Menschen, also weniger als 0,1 Prozent der slowakischen Bevölkerung, zu Deutsch als Muttersprache bekannten.

Dabei war Deutsch in der heutigen Slowakei jahrhundertelang eine der wichtigsten Sprachen. Im Spätmittelalter betrug der deutschsprachige Anteil in der heutigen Slowakei nach Informationen des Karpatendeutschen Museums bis zu einem Viertel der Bevölkerung.

Auch wenn ungarische Adelsfamilien stets in der Politik den Ton angaben, verließen sich die Herrscher am liebsten auf deutsche Experten, die sie ab dem späten Mittelalter in mehreren Wellen ins Land riefen. Sie sollten fehlendes Fachwissen ins Land bringen und durch Krieg und Seuchen entvölkerte Regionen neu besiedeln. Viele slowakische Städte wurden bis ins 20. Jahrhundert von deutschen Siedlern dominiert.

Der Bergbau, der die heutige Mittelslowakei im 13. Jahrhundert zu einer der reichsten Regionen Europas machte, war ebenso eine deutsche Domäne wie Braukunst und Weinbau in der heutigen Westslowakei. Die heutige Hauptstadt Bratislava trug bis 1919 den deutschen Namen Pressburg.

Doch auch wenn der Anteil der historischen deutschen Minderheit verschwindend gering geworden ist, die deutsche Sprache erlebt in der Slowakei eine Renaissance. Denn heute spielen deutsche Automobilhersteller und deren Zulieferer sowie Finanz- und Technologiekonzerne oder Dienstleistungsunternehmen und Handelsketten aus den deutschsprachigen Ländern eine wichtige Rolle.

Volkswagen Slovakia ist der größte Produktionsbetrieb des Landes, die Banken sind zur Hälfte in österreichischer Hand, im Telekom- und Versicherungswesen dominieren deutsche und österreichische Firmen. Für Schul- und Hochschulabsolventen sind gute Deutschkenntnisse ein Vorteil bei den Berufsaussichten.

«Die deutsche Sprache ist in der Slowakei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor», betont daher Axel Hartmann, der deutsche Botschafter in der Slowakei. Das Goethe-Institut erfreut sich enormer Nachfrage nach Deutschkursen. Eine private Initiative zur Gründung einer ersten deutschsprachigen Universität in der Slowakei konnte sich erfolgreich auf die Hilfe der deutschen Botschaft stützen.

24.April 2013  — Von unserem dpa-Korrespondenten:
http://www.europeonline-magazine.eu/deutsche-sprache-kaempft-in-der-slowakei-ums-berleben_277361.html

 

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