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Sprachakademie!

Wir brauchen eine Sprachakademie, die gegen politische Einflüsse und gegen die Lobbyarbeit von Lehrerverbänden und Wörterbuchverlagen immun ist. Wie sollte eine solche Sprachakademie beschaffen sein? Sie sollte sich nicht auf die Regelung und Entwicklung der Rechtschreibung beschränken, sondern sich auch um die Entwicklung von Terminologien kümmern, in denen man schon heute keine vollständigen deutschen Wortschätze mehr hat.
Das ist etwa bei den Berufsbezeichnungen, im Finanzwesen, in vielen Sparten des Sports, des Unterhaltungsgewerbes oder des Verkehrswesens der Fall. Die Gesetzes-und die Verwaltungssprache sind ebenfalls notorisch für sprachliche Verwahrlosung. Schließlich ist es dringend geboten, sich mit der grassierenden Anglisierung der Alltagssprache zu befassen.
Wenn der Ausdruck «Sprachakademie» fällt, kommt in Deutschland Panik auf: Man will hier keine Akademie wie in Frankreich, wo angeblich ein Gremium von Greisen die Sprache gängelt, knebelt und abschottet. Eine Sprachakademie muss aber keine Behörde mit weitreichenden exekutiven Vollmachten sein. Die spanische Sprachakademie bezieht ihr Prestige aus ihrer Kompetenz und ihrer Wachheit. Die Spanier nehmen es ernst, wenn ihnen die Akademie Vorschläge macht, wie sie ihre Sprache verbessern könnten.
Auch andere Länder haben Sprachakademien, die ihre Wirkung durch fachliche und kulturpolitische Autorität ausüben: Überzeugende Vorschläge nimmt das Sprachvolk lieber an als Dekrete.
«Die Welt» vom 29. Juli 2000 (Auszug) Verfasser ist Helmut Glück, Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Bamberg, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats VDS.
(Zn) Bevor wir in der Schweiz in Sorge um unsere Freiheiten, auch der Sprache(n), zu Glücks Gedanken gleich in Antireflexe verfallen, könnten sich ja Spitzenleute aus Politik, Sprachwissenschaft und Kultur medienbegleitet zu unverkrampften Gesprächen treffen. Der Diskussionsforen gibt es genug, und hehre Bekenntnisse zur Sprache wurden schon oft abgegeben. Gegen den Strom schwimmen muss niemand, aber, wie es scheint, als einzige Alternative sich treiben lassen… da sagen wir vom Sprachkreis Deutsch nein. Bisherige parlamentarische Vorstösse aus verschiedenen Richtungen scheiterten an den unterschiedlichen Kompetenzen von Bund und Kantonen.

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