Der Einfluss von SMS und E-Mail auf die geschriebene Sprache

Immer mehr Englisch, immer weniger Deutsch? (pgw)

Mit dem Thema «Sprache und neue Medien» wird sich beispielsweise auch der SVDS an seiner Mitgliederversammlung vom 25. Mai 2002 in Bern (voraussichtlich im Museum für Kommunikation) auseinandersetzen und bei dieser Gelegenheit die Auswertung einer zweiten Umfrage «Besseres Deutsch», die sich ebenfalls mit diesem Thema befasst hat, präsentieren.
Wagen wir dazu eine Prognose: Die bereits durch-geführten oder noch beabsichtigten Befragungen werden in etwa folgende Feststellungen zutage fördern:
Jedes neue Medium prägt mit der Zeit seine eigenen Sprachformen und -regeln aus. Vor allem Jugendliche, die häufig auf diese moderne Weise kommunizieren, werden – teils unbewusst, teils bewusst markierend – diesen SMS-Stil in ihren allgemeinen persönlichen Schreibstil einfliessen lassen. Somit werden sich mit Sicherheit Spuren und Einflüsse aus diesen neuen Medien nachweisen lassen.

«Trendige» englische Abkürzungen (wie CUL8ER = see you later, 4U = for you usw.) wer-den wohl noch mehr eine Zeitlang im Schwang sein und nach weiteren neudeutschen Ausdrücken rufen, die innerhalb der deutschen Muttersprache eine anglisierende Gegenwelt schaffen sollen, die als andersartig, jugendlicher und moderner empfunden wird (vgl. dazu den Artikel von Manfred Papst im NZZFOLIO Nr. 1 / Januar 2002, S. 15). Nach meiner Einschätzung der Lage verstärken aber die via E-Mails und SMS vielfach verwendeten und -zigfach wiederholten Anglizismen bloss eine Tendenz, die bereits viel früher in der Werbung, im EDV- und Management-Jargon bis zum Überdruss betrieben wurde und mit immer noch ungebrochener Frische (oder Starrheit?) fortgesetzt wird.

Der Haupteinfluss der Anglismen ist grossflächig (Werbeplakate) und allgegenwärtig (Fernsehen, Radio, Presse, Internet) – E-Mails und SMS scheinen mir, im Vergleich dazu, Kleinigkeiten (oder, auf gut Neudeutsch: Peanuts).Denglisch – aktuelles Phänomen einer Klärungs- und Übergangszeit

Auf längere Frist ist wahrscheinlich mit fundiertem, vertiefenden, attraktivem und gutemDeutschunterricht auf allen Schulstufen mehr herauszuholen, denn jede Sprachkompetenz muss primär in der Muttersprache aufgebaut werden. Vielleicht kommt also das Deutsche morgen aus seiner – heute ziemlich trostlosen und schwierigen – Situation heraus. Warum? Weil jede Fremdsprache die Besonderheiten der Muttersprache auf neue Weise erhellen und festigen kann: alle Leute, die sich heute mit Begeisterung aufs Frühenglisch stürzen, können morgen – vielleicht auf anderen Wegen, aber grundsätzlich besser als Leute ohne Fremdsprachenkenntnisse – auf die besonderen und vielfältigen «inneren Werte» der deutschen
Sprache angesprochen werden. Das braucht vorallem langen Atem – die heute sehr unbefriedigende «denglische» Sprachvermischung, wie sie sich in jeder Tageszeitung widerspiegelt, darf unsnicht aus dem Konzept bringen.

Heute aber gilt es, wo immer möglich mit ebenso humorvollem wie sachlichem, nüchternem und gelassenem Selbstbewusstsein immer wieder geduldig aufzuzeigen, dass die deutsche Sprache sich vor der englischen Kürze und Prägnanz keineswegs in den Hintergrund zurückziehen muss, weder aus der Werbung noch aus der Informatik noch aus der E-Post. Heute fällt ja gutes, «denglischfreies» Deutsch erst richtig auf – nutzen wir die Gunst dieser turbulenten Übergangszeit zur ruhigen Klärung!

SMS SCHREIB MIR SCHNELL
ALKLA ALLES KLAR
BABS BIN AUF BRAUTSUCHE
COLA COME LATER
DG DUMM GELAUFEN
FANTA FAHRE NOCH TANKEN
GN8 GUTE NACHT
HASE HABE SEHNSUCHT
ISDN ICH SEHE DEINE NUMMER
JON JETZT ODER NIE
KV KANNSTE VERGESSEN
LEIA LIEBLING ES IST AUS
MAMIMA MAIL MIR MAL
NOK NICHT OHNE KONDOM
ODIBINI OHNE DICH BIN ICH NICHTS
PLECAME PLEASE CALL ME
Q4 KOMME UM VIER
RAMAWEDILI ATE MAL WER DICH LIEBT
STIMST STEHE IM STAU
TUS TANZEN UNTER STERNEN
WAUDI WARTE AUF DICH
ZUMIOZUDI ZU MIR ODER ZU DIR

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