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Brauchen wir englische Wörter?

Ein Plädoyer für den Gebrauch der deutschen Sprachevon Dr. Gerd SchrammenEnglisch hat sich als weltweit anerkannte und international verbindliche Wissenschaftssprache durchgesetzt. Das ist gut so, wenn damit auch für die nicht-englischen Muttersprachler bleibende Benachteiligungen verbunden sind.

Aber was ist mit der wachsenden Zahl von englischen Ausdrücken, die in unsere Alltagssprache eindringen? Wörter wie shopping, service point, counter, airbag und body bag, downloaden, relaxen, job floater usw.? Sie werden von einer deutlichen Mehrheit der Menschen in Deutschland als aufgenötigt und überflüssig abgelehnt. Aber es gibt auch Stimmen, nicht nur aus dem Lager derer, die sie in Umlauf bringen, sondern auch aus dem Kreis von Sprachwissenschaftlern, Germanisten zumal, die die englischen Wörter für eine Bereicherung der deutschen Sprache halten. Die Verständigung in Deutschland werde durch diese Anglizismen verbessert, ist eine der vorgebrachten Begründungen.

Ich nenne drei Behauptungen, Vorurteile eher, mit denen die Notwendigkeit und der Nutzen der Anglizismen begründet werden, und versuche, diese Behauptungen zu widerlegen.

„Englische Wörter sind ein Zeichen von Leben“

Tatsächlich bewirken die englischen Wörter, daß deutsche Wörter aussterben. Wo Ausdrücke wie „Junggeselle“, „Kundendienst“, „Börsenkrach“ oder „Schalter“ durch single, service, crash, counter verdrängt werden, stirbt die deutsche Sprache jedesmal einen kleinen Tod.

Das Klischee von der Sprache als lebendigem Organismus sollten wir endlich überwinden. Sprache wird gemacht das gilt ganz besonders für das in die deutsche Sprache eingeschleuste Neuanglodeutsch. Es wird von denen gemacht, die die Macht dazu haben, d.h. über Mittel verfügen Medien, Werbung, öffentliche Anerkennung – um es durchzusetzen.

Platon sagt im Kratylos, Sprache sei nicht physis nicht Natur, sondern nomos, also Absprache und Übereinkunft. Im antiken Rom wurde ähnlich gedacht. Dort hat es kräftige Sprachpflege gegeben, und zwar als Widerstand gegen die Allmacht des Griechischen mit dem Ziel eines sermo purus, der arm war an fremden griechischen Ausdrücken. Utimur Graecis verbis, ubi nostra desunt … schreibt Quintilian, der zugleich fordert, … ut sint quam minime (verba) peregrina et externa. Wenn wir in Deutschland heute die Ausdrücke „Oberfläche“, „Nebensache“, „Nachnahme“ oder „Bahnsteig“ benutzen, geht das auf lenkende Eingriffe in den Sprachgebrauch zurück, die im 17. Jahrhundert und nach der Reichsgründung 1871 vorgenommen wurden. Solche Sprachplanung belegt, daß Sprache nicht einfach „wächst wie ein Baum“ (Harald Weinrich).

„Englische Wörter sind kurz und prägnant“

Trifft das wirklich zu? Die englischen bzw. denglischen – Wörter cargo, computer, facility manager, service point sind an Silben länger als „Fracht“, „Rechner“, „Hausmeister“ oder „Auskunft“. Die Präpositionen after, because of, in front of, in spite of sind länger als „nach“, „wegen“, „vor“, „trotz“. Auch die Umschreibungen mit to do sind kein Musterbeispiel für Kürze und sprachliche Ökonomie. Ein Ausspruch von Winston Churchill aus dem Zweiten Weltkrieg gilt als Beleg für knappes Englisch: I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat. Das ginge genauso gut auf deutsch mit der gleichen Silbenzahl: „Ich biete Euch nichts als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“. Das angeredete Volk ist mit „Euch“ zusätzlich dabei.

Knappe Rede wird übrigens meist von denen gefordert, die ihre Mitmenschen tagaus tagein mit lästigem Geschwätz heimsuchen, Werbemacher und Medienleute. Zur Kürze als angeblicher Qualität hat sich der Berliner Maler Max Liebermann geäußert. Jemand hatte an einem Gemälde von Paul Cézanne bemängelt, der Arm einer Figur sei zu lang. Darauf antwortete Liebermann: „Der Arm kann gar nicht lang genug sein, wenn er schön ist.“ Das gilt auch für die deutsche Sprache.

Ich will dieses kleinliche Silbenzählen und andere Spiegelfechtereien nicht weiter betreiben. Schließlich das möchte ich betonen sind die Merkmale englischer Wörter, die angeblich größere Kürze oder die präzisere Bezeichnung der Dinge, ganz und gar gleichgültig und völlig unerheblich für deutsche Sprecher. Wir sprechen Deutsch, verständigen uns nicht mit Hilfe einer fremden Sprache, ebenso wie die Engländer, Russen oder Spanier ihre eigene Sprache haben und sie benutzen, ohne auf andere zu achten. Vergleiche zwischen den Sprachen in diesem Punkt sind nur von theoretischem (akademischem) Interesse, ohne Bedeutung für den täglichen Sprachgebrauch. Aus “ Forschung und Lehre“ – Oktober 2003.

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Der SKD bringt diese sehr bemerkenswerten Gedanken des Autors , er ist 2. Vorsitzender des VDS e.V. Dortmund, als Beitrag zur kritischen Beurteilung der Anglisierung auch der schweizerischen Landessprachen, vorab des Deutsch.

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